Jovel, Stadt der Farben.

Jovel, Stadt der Farben.

Jovel, so heisst San Cristóbal de las Casas auf Tzotzil, einer der vorherrschenden indigenen Sprachen von Chiapas. Ich mag den spanischen Namen aber auch, den er legt die Betonung auf die Haeuser der Stadt – die bunten Haeuser und Kirchen sind einer der schoensten Aspekte von Jovel und daher nenne ich sie auch Stadt der Farben. Natuerlich brilliant in der Sonne, aber auch im Regen, und von dem haben wir momentan ganz schoen viel, noch magisch.

 

Mein Zeit in Jovel neigt sich langsam dem Ende, nachdem ich hier nun ueber einen Monat verbracht habe. Ich hatte nicht geplant, so lange hier zu bleiben, aber wie so oft, sind meist die Ueberraschungen des Lebens besser als jeder Plan, den man aushecken kann.

Bereits von Costa Rica aus habe ich mir Glady´s Anzeige auf workaway.info auserkoren und sie angeschrieben. Sie hat ein Gaestehaus und war auf der Suche nach jemandem, der ihr bei der Administration, Buchungssystemen etc. also bei allem Internet-technischen helfen kann. (Der Deal auf Workaway, fuer die die es nicht wissen, ist 25-30 Stunden Arbeit pro Woche gegen Unterkunft und ggf. Verpflegung). Sie sprach in ihrer Anzeige ausserdem von einem Haus in den Bergen, wo sie ein Ecohostal mit Meditation oder aehnlichem anbieten moechte. Das war es, was mich ansprach. Gladys antwortete zunaechst nicht, so wie die meisten Workaway Hosts. Da ich aber so ueberzeugt davon war, dass es einfach klappen musste, schrieb ich sie ein paar Wochen spaeter erneut an und bekam ihre Zusage.

Als ich in San Cristóbal ankam, uebernachtete ich die erste Nacht in einer Holzhuette, wie in meinem vorletzten Beitrag zu sehen. Am naechsten Tag traf ich Gladys in ihrem Gaestehaus “La Casa di Gladys” im Zentrum. Ich bekam ein sporadisches Einzelzimmer, und wir begannen gleich zu arbeiten. Gladys ist Mitte 50 mit einer Bombenenergie. Eine unverheiratete, selbstaendige Frau seit jungen Jahren, und das im machistischen Mexiko. (Ich bin gerade dabei ein Interview mit ihr ueber ihre Erfahrungen als selbstaendlige Frau in Mexiko zu machen, was dann hoffentlich noch stattfindet und hier veroeffentlicht wird)

Ein paar Tage spaeter zeigte mir Gladys endlich ihr Haus am Waldrand. Unglaublich! Garten, Blumen, grosser Hof, und das Haus mit 2 grossen Schlafzimmern, einer grossen Kueche und allem was man braucht! Ganz neu eingerichtet, 9 Betten stehen zur Verfuegung, aber da Mai der Monat mit den wenigsten Touristen ist, steht es bis heute leer. Es ist ein Traumhaus. Gladys war zudem damit einverstanden, dass ich einziehe, und von dort aus arbeite. Wir haben den brandneuen Computer vom Gaestehaus in das Haus gefahren und seither wohne ich in der Colonia Explanada del Carmen, direkt am Berg. Was fuer ein Glueck! Was fuer ein Traum!

 

https://www.airbnb.com/rooms/11569643

Gladys und ich sind mit der Arbeit innerhalb des letzten Monats sehr weit gekommen. Ich hab alle ihre Inserate aufgefrischt, wir haben neue Fotos gemacht, sogar ein paar der Raeume des Gaestehauses umbenannt und neu dekoriert. Ich habe eine Webseite fuer das Gaestehaus erstellt und bin dabei, eine weitere fuer Gladys Holistische Massage fertigzustellen. Buchungen sortieren, Gladys Airbnb nahebringen, und mich mit dem Support Team von Hostelworld rumaergern. Es gab immer was zu tun.

Den Plan, nach Mazunte zu einem Advaita Meditationsretreat zu fahren habe ich geschmissen und habe stattdessen einen (besseren) Online Silent Retreat in dem Haus gemacht. Was fuer wunderschoene 7 Tage das waren. Gladys war mit einer Unkostenbeteiligung von 75 Euro zufrieden.

Es ist also geschehen, dass ich, dank meiner Hilfe in Administration (und dem Universum) alleine in einem Airbnb- Haus, was normalerweise 100 Euro die Nacht kostet, einen Monat lang quasi umsonst wohnen konnte, mit guter Luft, schnellem Internet und einem brandneuen Computer, zudem 7 Tage davon in kontemplativer Stille.

Im letzten Drittel meines Aufenthaltes, also nach dem Retreat, begann ich meine Planungen fuer die Rueckkehr nach Europa. Am 13.6. geht mein Flug nach Berlin. Ich werde einzigartigen Schmuck vom Santo Domingo Markt in Chiapas nach Deutschland und Europa mitbringen, wunderschoenen Bernstein und Handarbeit von den Indígenas. Produkte voller Farben, die Farben Chiapas! Und wer einen Bernstein mit Insekten darin haben moechte, diese kaufe ich noch auf Anfrage bis diesen Mittwoch, 9.6. (siehe Bild oben rechts)

 

 

Aber es ist nicht nur das, was ein Leben in Mexiko ausmacht. Es sind die kleinen Eigenarten, die Lebensart, die Musik die von der Strasse toent, die Kleinbusse in die Stadt, die Lebensfreude, die Hunde, das Laecheln der Indígena-Abuelas. die traditionelle Kleidung, die Gepflogenheiten, das Essen, der Dialekt. Darueber berichtet man nicht so einfach. Das muss man selbst erleben.

Dazu gehoeren aber auch die aktuellen sozialen Aufstaende der Lehrer in Chiapas und ganz Mexiko seit ca. einem Monat. Strassensperrungen, Manifestationen, alles was dazu gehoert. (Grund ist eine Bildungsreform der Regierung, die den Lehrern die Rente komplett steichen soll: Siehe Link). …Bei Aufstaenden werde ich immer sehr emotional. Viva la Revolución!… Dazu hatten wir sehr starke Regenfaelle in Chiapas in den letzten Tagen. Wir bleiben hier momentan durch die Seite alertachiapas.com auf dem laufenden. Mein Flug geht am 10.6. von Tuxtla Gutierrez (der Hauptstadt Chiapas und momentan auch der Aufstaende) Ich werde wohl um 5 Uhr morgens losfahren muessen, um Strassensperrungen zu vermeiden – und dann 8 Stunden am Flughafen verbringen, bis mein Flug nach Cancun geht.

Und dann noch 3 Tage Sonne sammeln in der Karibik.

So ist das Leben in Mexiko! Fuer nichts in der Welt wuerde ich tauschen! ;)

Bis bald, Eliane.

Vegetarisches Mexiko – Rührei mit Kaktus

Vegetarisches Mexiko – Rührei mit Kaktus

Mexiko ist ja unter anderem besonders berühmt für seine Küche… und auch für Vegetarier gibt es in Mexiko einige traditionelle Gerichte. Heute stelle ich eines vor: Huevos con nopal y cilantro. 

Nopal kommt von dem Nahuatl-Wort nohpalli [noʔpalːi] und ist im mexikanischen Spanisch ein gebräuchlicher Name  für die “Opuntia Kakti” – im deutschen gemeinhin als Kaktusfeige bekannt.

Cilantro ist das spanische Wort für den grünen Teil des “Echten Koriander”, unabdingbar in vielen mexikanischen Gerichten, allen voran der Guacamole.

Am besten kauft man den Nopal geschnitten und gekocht. Auf diese Weise haltbar gemachte Kakteen sollten in speziellen Läden in Deutschland erhältlich sein.

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Die Zubereitung ist kinderleicht!

Zuerst die Zwiebeln in etwas Öl anbraten. Dann die Nopales (und wenn man möchte ein bisschen frischen Chili) hinzufügen und eine Minute erhitzen.

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Dann das gesalzene, gerührte Ei hinzugeben und mit den Zutaten vermischen.

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Zum Schluss noch den kleingeschnittenen Cilantro hinzugeben und kurz zusammen erhitzen. Fertig!

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Kann man auf Toast oder Tortillas servieren. Gut dazu schmeckt auch immer eine selbstgemachte Tomaten-Chili Salsa.

Buen Provecho!

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Ankunft in San Cristobal


Nach genau 3 Monaten und 2 Wochen in der zentralamerikanischen Hitze (Costa Rica und Tulum) schlief ich die letzte Nacht unter warmen Decken in einem Holzchalet mit Kaminofen zwischen Pinien, etwas ausserhalb von San Cristobal, der kolonialen Bergstadt in Chiapas. Das war ein echt gluecklicher Zufallsfund im Internet. Ich sass gestern voellig uebermuedet nach Ankunft von Tuxtla (ich bin von Cancun nach Tuxtla geflogen, und von Tuxtla mit dem Bus nach San Cristobal) in einem Cafe am Zocalo von und suchte kurzfristig nach einem Zimmer. Und das hier hat wirklich der Himmel geschickt.

Ich habe seit 2 Wochen das erste Mal ein Zimmer fuer mich. Ich habe gemerkt, wie wichtig es mir ist, Zeitund Raum fuer mich zu haben, zumindest ab und zu. Das Hostel in Tulum war wirklich super, und es hat Spass gemacht dort zu arbeiten, aber nach 2 Wochen war es Zeit, etwas neues zu finden. Ein Ziel habe ich aber auf jeden Fall erreicht – ich habe wieder eine natuerliche Hautfabe bekommen :)

Jpeg
Ich beim Morgenkaffee in meinem Chalet
Jpeg
Das Chalet

Leider kann ich heute nicht mehr schreiben, da ich gleich mal bei meinem neuen Volunteerplatz vorbeischauen sollte. Ich wollte nur kurz Hallo sagen, und der naechste Post kommt bald! Versprochen!

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“Sind wie Chiapas, Söhne Zapatas” (Freundeskreis – wenn der Vorhang faellt) 1999

Eliane

Eine Postkarte aus Mazunte

Eine Postkarte aus Mazunte

Ich.

 

Ihr Lieben,
ich melde mich noch ein letztes Mal aus Mazunte, bevor ich bald weiter in die Tiefen des Dschungels eindringe. Mazunte diente mir nicht nur als Zwischenstopp, auch begegnete ich alten Freundschaften, rundete sie ab, vertiefte sie, schloss ihre Kreise. Ich fastete fuer fuenf Tage, brachte mich wieder in die Resonanz des mexikanischen Nomadenlebens, das so verschieden ist von dem Lebensstil in Kanada und Kalifornien. Vor allem in Kalifornien hatte ich mich etwas einnehmen lassen von dem Ueberfluss, der Unmenge an Essen, des Reichtums und der Bequemlichkeit. Durch den mehrtaegigen Verzicht am Essen und am unnoetigen Ausgeben von Geld (auch genannt: Konsumsucht) habe ich mich wieder eingereiht, bin wieder Teil der bewusst limitiert konsumierenden Anhaengerschaft der ewig Wandernden.

Wenig fehlt also noch bis zur Abreise zur grossen, globalen Versammlung der Rainbow-Gesellschaft fuer das Zeitenwendenfest 2012 in Palenque, im mexikanischen Urwald an den antiken Staetten der Mayas, welche vor hunderten von Jahren ihre astrologischen Berechnungen ab dem 21.12.2012 fuer nicht weiter wichtig oder unberechenbar hielten. Noch immer weiss niemand so genau, was es damit auf sich hat, aber zumindest die Nachricht einer galaktischen “Konjunktion” erreichte mich bisher.

Soweit stehen auch meine weiteren Plaene mehr oder weniger fest: Ich werde mich zum Januar 2013 am Lago Atitlan in Guatemala niederlassen. Bereits Ende 2006 verbrachte ich dort drei Wochen und wurde verzaubert von der Magie des Sees. Wer meinen Blog verfolgt hat weiss, dass ich schweren Herzens den Lago auch ein zweites Mal verlassen musste, als ich mich im Juni 2012 entschied, nach Kanada zu fliegen. Es war damals eine schwere Entscheidung gewesen und haette ich nicht den Flug schon gebucht gehabt, ich waere vielleicht doch einfach dort geblieben. Meine Meinung, er sei “der schoenste See der Welt” wurde schon von Alexander von Humboldt bestaetigt.

Der See im  “latinfotoguide

Ich kann hier natuerlich Fotos posten, aber ich kann nicht das Gefuehl vermitteln, wie es ist, durch das Dorf von San Pedro zu schlendern, oder die Wolken zu beobachten, wie sie den Aufstieg ueber den Vulkan versuchen, oder wie es ist, die kleinen Gassen zu durchqueren, die zu den vielen liebevoll gestalteten Cafes und Restaurants fuehren. Magie ist eine der Eigenschaften, die nur ertraeumt, oder gelebt werden koennen.

Arbeiten werde ich in einem der Doerfer rund um den See, ich habe bereits Zusagen, werde jedoch erst vor Ort meine endgueltige Entscheidung treffen. Damit wird sich 2013 ein neues Kapitel fuer mich eroeffnen – Tiefgreifende Projekte am tiefgruendigsten See Zentralamerikas. Die Vorfreude hat bereits begonnen, und wer mich kennt, weiss, dass ich niemals ohne triftigen Grund zur Vorfreude bereit bin.

Ich wuensche allen da draussen, ob in Deutschland oder unterwegs, eine besinnliche Lichterfestzeit, einen wunderbaren Dezember, happy Channuka, tolle Wintersonnenwende, oder was auch immer ihr so feiert, und einen fantastischen Rutsch ins neue Zeitalter.
Und wisst, dass auch ich mich ueber jeden Kommentar, jede eMail oder sonstige Nachricht sehr freue.

Eure Eliane