Die Rückkehr. 4 Länder in 3 Tagen


Am 7.12. musste ich das Camp von Ras Sheiton verlassen, um stressfrei meinen Flug von Tel Aviv am 9.12. um 6 Uhr früh zu erwischen. Dennoch wurde die Rückkehr zu einer Durchhalte-Rallye, die sich von Station zu Station auf meinem Gemüt bemerkbar machte.

Es war schwer genug, das endlich erreichte, schwer erarbeitete Paradies zu verlassen. Maja und Adi brachten mich zum Bus, der um ca. 15.30h am Camp vorbeifuhr und mich nach Taba bringen sollte. Da ich kein Geld mehr hatte, und der Bankautomat in Nuweiba gewesen wäre, halfen mir Maja und Adi mit 50 Pfund aus. Maja wollte noch ein paar Tage bleiben; Adi würde bald nach Kairo zurückkehren. So stieg ich in den Reisebus und sog die letzte ägyptische Sonne, wie sie ihr Licht auf die Berge des Sinai warf, in mich auf, als würde ich sie auf diese Weise mitnehmen können, und müsste sie nicht verlassen. Von der rechten Seite spiegelte mir das Rote Meer entgegen, und mir war klar, dass es solche besonderen Orte nicht allzu oft auf der Erde gibt.

Nach einer gefühlten Stunde kam ich wieder in Taba, der Grenzstadt, an. Wieder musste ich den Kilometer von der Steuerzahlstelle bis zum Grenzübergang laufen. Bei der Ausreise bestand eine lustige Gebühr von 2 Pfund (ca. 24 cent), die ich an einen Mann auf Klappstuhl an Klapptisch zahlte, der kein Englisch konnte. Dann ging es wieder zum Grenzparcour. Die Einreise nach Israel ging überraschenderweise sehr schnell und problemlos. Dann fand ich mich an einer unbeschrifteten Bushaltestelle wieder, und kein Bus hielt für mich. Ich beschloß, einfach ein Taxi zu nehmen – ich war müde und sentimental. Ein netter Taxifahrer nahm mich mit und unterhielt sich ein wenig mit mir, ließ mich Geld abheben, und setzte mich an der Central Bus Station ab. Der nächste Bus nach Tel Aviv fuhr um 19 Uhr, und die Fahrt würde wahrscheinlich 5 Stunden dauern. Ich machte mich auf die Suche nach einem Internetcafé, aber erfolglos. Der Kulturschock, den ich erfuhr, war unglaublich. Ich fühlte mich verloren in dieser großen, menschlich kalten, kommerziellen Stadt, wo keiner mir helfen wollte und konnte, ein simples Internetcafé zu finden. Ich aß ein Stück Pizza, setzte mich auf eine Bank an einem Parkplatz und wartete meine Zeit ab. Ich schaltete mein Telefon ein und schrieb meinem ersten Host Doriel eine SMS, ob er mich für heute Nacht bei sich aufnehmen könnte. Er antwortete: Of course!

Endlich war die Zeit gekommen und ich stieg in den Bus nach Tel Aviv. Ich ergatterte einen Platz am Fenster, wieder war ich umgeben von Soldaten. Ich versuchte zu schlafen, aber vergebens – einige Stunden fuhr ich einfach nur so vor mich hin, betrachtete die Wüstenlandschaft, faszinierte mich an der Tatsache, dass sie im Mondschein tatsächlich aussah wie von Puderzucker übersät. Ob ich irgendwann schlief oder nicht, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich irgendwann in Tel Aviv ankam. Ich war mittlerweile wahnsinnig müde, und hatte keine Kraft dem Taxifahrer zu erklären, dass 30 Shekel für 5 Minuten Taxifahrt einfach viel zu viel sind. Mit letzter Kraft trat ich in die Wohnung, wo ich Doriel und Benjy antraf, beide etwas ‘lustig drauf’. Ich schaute ein bisschen mit ihnen fern, dann verließ uns Benjy und Doriel und ich fielen ins Bett.

Ich wachte auf, als Doriel gegen Mittag zur Arbeit musste. Ich stand auf, und hängte mich ins Internet, um ein Hostel in Athen zu reservieren, da ich dort eine Nacht verbringen würde. Nach einer Weile holte ich etwas zu essen aus dem Supermarkt. Dann schlief ich noch zwei Mal: das letzte Mal weckte mich Doriel auf, als er von der Arbeit kam, gegen 2 Uhr nachts. Nun musste ich mich beeilen: Mein Zug zum Flughafen  fuhr um 2.41 von der Avidor Station. Plötzlich fand ich mich auf der Straße wieder, mit gerade mal 27,5 Shekel: Kein Taxifahrer wollte mich zu diesem Preis mitnehmen, und außerdem musste ich noch das Zugticket für 14,5 Shekel kaufen. Es sah nicht gut aus, wären da nicht zwei Mädels gewesen, die meine Diskussion mit einem Taxifahrer mitbekommen hätten. Eine von ihnen kam zu mir, ließ sich schnell die Situation erklären, gab mir 20 Shekel und erklärte dem Taxifahrer alles, selbst, dass er nett zu mir sein sollte. Das war nun die zweite Station, an der man mir Geld für meinen Heimweg schenkte. Als ich mich bedankte und einstieg, war es bereits kurz vor halb 3. Ich schnallte mich an und bat ihn, Vollgas zu geben. Währenddessen zählte ich mein Geld und gestand dem Fahrer, dass ich statt den versprochenen 40 Shekel nur 33 zahlen konnte, da ich noch Geld für den Zug bräuchte. Er war glücklicherweise einverstanden, und hielt um 2.37h am Eingang des Bahnhofs. Nochmal Glück hatte ich bei der Security – er wollte meinen Rucksack nicht öffnen und darin ewig herumstochern. Ich schnappte meinen Rucksack, rannte zum Schalter, schmiss die abgezählten 14 1/2 Shekel vor die Nase der Frau und sagte nur “Ben Gurion”. Sie gab mir mein Ticket, ich steckte es in das Drehkreuz, blieb beinahe hängen, rannte zum Zug, der gerade einfuhr, und stieg ein.

Am Flughafen wurde meine Geduld wieder auf die Probe gestellt. Wie immer folgende Prozedur: Anstehen, ausgefragt werden: “what is the purpose of your visit in Israel?” “Did you pack your bags on your own?” Ich dachte, ich könnte etwas mit meinem Hebräisch auftrumpfen, aber Fehlanzeige: Nachdem ich von einer weiteren Person erneut ausgefragt wurde, bekam ich doch wieder meinen Terroristensticker, wahrscheinlich, weil ich in Ägypten war. Mit Neid betrachtete ich den Businessman, der sogar in Jordanien war, und trotzdem direkt zum Check In durfte. Aber nicht aufregen… Nun wurde mein Rucksack geröntgt, woraufhin man das übliche sagte: “Needs to be inspected”. Danach kommt die nächste Schlange am Inspektionstisch. Nach ca. einer halben Stunde werde ich an eine Seite des Tisches gebeten, mein Rucksack sowie meine Handtasche werden komplett entleert und mit diesem blauen Detektorlöffel abgerieben. Nachdem ich meine Sachen wieder einräumen durfte, der nächste Schritt: das Mädel bringt mich zu einem speziellen Inspektionsraum, wo ich in einer Art Kabine meine Jacke und Schal in eine Kiste lege, und sie mich von oben bis unten absucht und detektiert. Selbst meine stinkenden Socken werden untersucht. Als wir dann wieder zurück am Tisch waren, bin ich mal wieder fast die letzte. Nun sind es bereits 3 Personen, die sich meinem Fall angenommen haben. Erneut werden mir alle Fragen gestellt, bevor man mich aufklärt: “We have an indication about your jacket”. Na da liegt der Hund also begraben, meine Jacke ist möglicherweise explosiv.  Ich musste das Ding als in eine extra Box packen lassen und mit zur Gepäckaufgabe geben. Besser gesagt, ich musste es in einen speziellen Aufzug stellen.

Nun war es bereits 5.00Uhr und ich musste noch zu meinem Terminal laufen. Schnell rauchte ich noch eine letzte geschnorrte Zigarette in der Raucherbox und begab mich dann zu meinem Gate. Wir warteten draußen in einem Bus in aller Morgenkälte, aber es war ok, es war ja nicht so, als hätte man mir meine Jacke weggenommen. Irgendwann war ich dann aber doch im Flugzeug und hatte natürlich, aufgrund des späten Check In, einen fantastischen Mittelplatz ergattert. Ich saß also kauernd zwischen zwei älteren griechischen Herren, mit dem einzigen, nicht erfüllbaren Wunsch, zu schlafen.

Nachdem ich das Frühstück verschlungen hatte, und eine halbe Stunde lang hungrig das Frühstück meines Nachbarn angestarrt hatte, der nur die zwei kleinen Würste gegessen hatte und dann eingeschlafen war, gab ich das Schlafen auf und wartete auf die Landung. Witzig fand ich auch, dass ich auf dem Flug einer griechischen Airline von Tel Aviv nach Athen deutsche Milram Kaffeesahne in meinen Kaffee schüttete. Wie auch immer- nach der ersehnten Landung dann der Kauf des Metrotickets und die 45-minütige Fahrt zu Monastiraki Station. Ich erreichte das wirklich sehr nah gelegene Hotel Fivos um kurz vor 10 Uhr, gerade rechtzeitig für das Frühstück. Witzigerweise schien jede Person an diesem Frühstück spanisch zu sprechen: Ich traf auf einen Mexikaner und drei Spanierinnen. Ich verschlang die Toasts mit Marmelade und den Kaffee und unterhielt mich mit den Mädels über Don Quijote, denn sie kamen aus La Mancha. Dann übermannte mich endgültig die Müdigkeit und ich haute mich in mein noch leeres Dreibettzimmer.

Wenn ich zurückdenke, habe ich dann doch nicht viel geschlafen; denn nachdem ich aufwachte ging ich eine halbe Stunde ins Internet und stand dann gegen 13.30h vor der Akropolis, wo man mir sagte, sie würde um 14.30 schließen und 12€ kosten. Ich vergaß die blöde Akropolis und suchte meinen Weg zurück zu den kleinen Gässchen, die mir das erste Mal so gefallen hatten. Auf dem Weg kam ich an vielen Geschäften vorbei, die wirklich tolle Dinge zu verkaufen hatten: Ich kaufte Geschenke und Mitbringsel. Danach durchstreifte ich erneut die kleinen weißen Gässchen mit den Kätzchen und bunten Wandgemälden. Erneut stieg ich hinauf zum Aussichtspunkt und machte diesmal einige brauchbare Fotos. Auf dem Rückweg erstand ich auf dem Flohmarkt eine griechische Tasche für 10€. Dann wurde mir schlagartig bewusst, dass all mein Geld verbraucht, und auch meine Kreditkarte leergefegt war.  Deprimiert, nicht noch mehr tolle Sachen kaufen zu können, ging ich zurück zum Hostel. Gegen später kam meine Zimmergenossin herein, eine Französin namens Céline aus Nantes, die hier Fotos machte. Sie erzählte mir, dass sie seit einigen Tagen in Athen war und jeden Abend alleine ausginge; als ich ihr sagte dass ich nur noch 2€ übrig hatte, die ich morgen für den Bus nach Hause bräuchte, lud sie mich auf ein Bier ein. Sie führte mich ins “Exarchia” Viertel, von dem ich sofort hellauf begeistert war: Viel Graffitti, reges Nachtleben, Studenten, Autonome Zentren, Politik etc… also das Florentin, oder das Kreuzberg Athens. Wir entschieden uns spontan für eine Bar, die wir auf dem Weg entdeckten, und tranken dort ein typisches “Kaiser” Pilsener, das aus Frankfurt kommt, ich in Deutschland aber noch nie gesehen habe. Wir unterhielten uns über dies uns das, und die Bar wurde immer voller. Es war wirklich cool und alles… aber meine Müdigkeit war wirklich stärker als alles andere. Celine und ich liefen gegen Mitternacht zurück zum Hostel und ich bereitete meinen Rucksack für die Abreise vor, die letzte Hürde: Um 8.45 ging mein Flug nach Berlin, was bedeutete, ich musste um 5.30h aufstehen.

Punkt 6.30h saß ich in der Metro zum Flughafen. Ich war viel zu früh dort, und ich legte mich vor dem Gate noch einmal schlafen. Im Flugzeug hatte ich dieses Mal mehr Glück: Ich bekam einen Fensterplatz und der Platz in der Mitte blieb frei. So schaffte ich es doch, nach dem Frühstück einige Zeit zu schlafen und vor der Landung wieder aufzuwachen. Wir befanden uns in einem wunderschönen Wolkenschauspiel. Einige Zeit flogen wir direkt in einer schmalen Wolkenschicht: Oben war der blaue Himmel und unten die Stadt. Unser Pilot schien Wolken genauso zu mögen wie ich, denn es hatte den Anschein, als fliege er absichtlich durch sie durch.

Die letzte Station, die letzte Hürde lag nun direkt vor meinen Augen: Das Durchbrechen der dunkel, nasskalten Wolkenschicht, der letzte Gruß an die Sonne, bevor sie sich für lange Zeit versteckt. Apathisch und ohnmächtig betrachtete ich dieses Spiel, das sich vor meinen Augen realisierte; ohne zu blinzeln fand ich mich damit ab, dass mit dem Durchbrechen der Wolken ich durch das Tor zweier Dimensionen hindurchgehe: und dass alles, was war, nur noch ein Traum sein wird, eine Erinnerung, ein Schatz in meinen Gedanken, der langsam verblassen wird…

Machtesh Ramon, der Abstieg – Negev Highlands Teil 2

Machtesh Ramon, der Abstieg – Negev Highlands Teil 2

Dies ist Teil 2 meines Aufenthaltes in Mizpe Ramon – der Tag an dem ich den Krater hinabstieg. Hier ein Abbild der Karte des Kraters und im Vergleich meine 3stündige Wanderung:

Der Abstieg selbst war sehr steil und steinig. Ich wäre gerne ohne Wegmarken dort herumgelaufen, weil abgesteckte Wege eigentlich nicht mein Stil sind, aber ich fand bald heraus, dass ich ohne die Wegmarken relativ verloren wäre und den Abstieg niemals geschafft hätte ohne irgendwo in die Tiefe zu stürzen. Das erhöht natürlich das Abenteuerfeeling, auch wenn ich dabei auf der sicheren Seite bin. Und dann wollte ich einen kleinen Test starten und ein paar Videos aufnehmen, anstatt nur Fotos zu machen. Ich komm mir dabei zwar mittlerweile etwas bescheuert vor, werd die Videos aber nun trotzdem nicht vorenthalten. 

Die Sicht von oben:

Es ist weder auf Foto noch auf Video zu erkennen, wie immens hoch diese Cliffs sind, die man auf folgendem Foto sieht. Auf dieser Webseite http://www.israelmagazin.de/?page_id=8061 wird durch Foto und Höhenangabe (1000m!) der Eindruck evtl. etwas verbessert. 

Die absolute Stille wurde nach ein paar Minuten durch einen Zwischenfall unterbrochen, der echtes Herzklopfen verursachte: Zwei Düsenjets (oder sowas ähnliches, keine Ahnung welche Art von Flugzeugen so tieg fliegen) kamen von hinten angeflogen und in ca. 50-100 Metern an meinem Kopf vorbei, in einer immensen Lautstärke, bogen dann nach rechts ab und verschwanden hinter den Felsen. Das war wahrscheinlich meine erste Nahkriegserfahrung, wenn auch die beiden nur übten. Puh!

Als ich nach ca. 3 Stunden fast an der Strasse angelangt war, die durch den Krater führt, traf ich ein paar ältere Menschen, die mich bis zur Strasse mit ihrem Jeep mitnahmen. Eine von ihnen konnte Deutsch, wollte aber nicht mit mir sprechen, also unterhielt ich mich mit dem Fahrer auf Hebräisch. An der Straße angelangt, hielt ich den Daumen raus, und sofort das nächste Auto hielt an, wieder eine Art Jeep. Der Israeli war einige Minuten lang mit zwei Menschen über Telefon am quatschen, die beide über die Autolautsprecher in mein Ohr riefen. Dann legte er auf und ich unterhielt mich kurz auf hebrenglisch mit ihm, dann waren wir auch schon wieder in Mizpe Ramon. Ich lief zurück zur Promenade, um mir nochmal den Weg von oben anzusehen; dann sah ich zwei Männer vorbeilaufen, die sich auf spanisch unterhielten; einer von ihnen mit todsicherem mexikanischen Akzent. Ich sprach sie an. Beide wohnten in Barcelona, einer kam ursprünglich aus Mexiko City, der andere aus der französischen Schweiz, beide ziemlich offensichtlich schwul. Sie nahmen mich in ihrem gemieteten Auto zu einer Gegend in Mizpe Ramon mit, die wahrscheinlich kaum ein Tourist zu sehen bekommt. Da ich weder Geld bei mir hatte, noch meine Kreditkarte, und ich bis zu diesem Punkt (ca. 16 Uhr) bisher nur meine mitgebrachte Hirse gegessen hatte, luden mich die beiden zu einem reichhaltigen Essen ein: Humus, Tchina, Cremiger Käse, Oliven, Chilis, Kaffee, Pita. Erst in diesem Moment wurde mir klar, wie hungrig ich war. Die beiden hatte wirklich der Himmel geschickt! Ich erfuhr, dass der Mexikaner die Reise von vorne bis hinten mit dem Lonely Planet durchgeplant hatte, und es keinen Raum für Spontanaktionen gab. Alle Hostels waren gebucht, alle Orte festgelegt, wo gegessen wurde. Der Schweizer musste nicht viel mehr machen als sich von ihm mitziehen lassen. Des weiteren fand ich heraus, dass die beiden kein Paar sind, aber früher mal eins waren. Dann setzten sie mich noch direkt an meinem Hostel ab. Ich hatte sie gebeten, mich bei Facebook hinzuzufügen, damit ich mich mal bei ihnen revanchieren kann.

Wieder zurück im Hostel, fing ich an, meine Reise nach Sinai am nächsten Tag zu planen.

Weiterlesen: Von Mizpe Ramon nach Sinai

Mizpe Ramon – Negev Highlands Teil 1

Mizpe Ramon – Negev Highlands Teil 1

Sonntag frueh fuhr ich mit dem Bus zum Busbahnhof in Be’er Sheva, um den Bus Nr. 60 nach Mizpe Ramon zu nehmen. Was ich nicht wusste, war, dass einige hundert Soldaten die gleiche Idee hatten. Der Busbahnhof war ziemlich ueberfuellt, ich hatte in meiner nicht kurzen Laufbahn in Israel noch nie so viele Soldaten auf einmal gesehen. Ich wartete zwei Busse ab, weil ich dachte, der Andrang wuerde weniger werden, aber als ich bemerkte, dass immer wieder von irgendwo Nachschub gebracht wurde, entschied ich doch, mich in die Schlange zu quetschen und zu versuchen, im naechsten Bus einen Fensterplatz zu ergattern. Als dieser endlich kam, war ich fast ganz vorne. Wegen der schlechten Erfahrung mit meinem Rucksack im Bus nach Be’er Sheva, nahm ich ihn dieses Mal mit in den Bus auf meinen Schoss, wo er mir goesser und klobiger erschien als je zuvor, trotzem war es mir lieber so. Ca. 1,5 Stunden fuhr der Bus durch die Wueste, hielt an wirklich abgelegenen Orten um dort einzelne Personen ein- oder abzuladen.

Mit Hilfe des arabischen Busfahrers fand ich, obwohl er kein Englisch sprach, die richtige Bushaltestelle “Nahal Zia”, die mich zu dem Hostel fuehrte, ich dem ich eine Nacht umsonst schlafen durfte. Es nennt sich “The GreenBackpackers” und gehoert Lee, einer sehr netten israelischen jungen Frau, die auch bei Couchsurfing ist. (Das Hostel ist uebrigens wahnsinnig schoen, ruhig, sauber, und uneingeschraenkt empfehlenswert!) Als ich nach ein paar Metern dort ankam, wurde ich vom Volunteer Spencer aus den USA empfangen. Ich bekam ein Bett im Mixed Dorm und durfte das Internet kostenlos benutzen, was mir wirklich gelegen kommt, um von meinem Abenteuer hier berichten zu koennen.

Als ich mich eingerichtet hatte, ca. 16 Uhr, machte ich mich auf den Weg zum nahegelegenen Aussichtspunkt, und war auf den ersten Blick fasziniert von der Aussicht ueber den “Krater”. (Nachforschungen meinerseits (=Wikipedia) haben ergeben, dass es kein echter Meteor-Krater, sondern ein Machtesch ist, das israelische Wort fuer Erosionskrater. Die Entstehungsgeschichte ist sehr komplex, und hat sich mir noch nicht ganz offenbart, aber mir reichte in diesem Moment die Kontemplation der Weite und atemberaubenden Aussicht.

Ich vertrieb die Zeit bis zum Sonnenuntergang (17 Uhr) damit, die Gegend zu erkunden, herumzuklettern, Steine in die Tiefe zu werfen und zu warten, bis das Geraeusch verhallte. Ich sass auf den Felsen in der Sonne und liess meine Gedanken schweifen. Als die Sonne hinter ein paar Wolken verschwand und es schlagartig kuehl wurde, mache ich mich auf den Rueckweg und sah auf der Aussichtsplattform, auf der ich zuvor alleine gewesen war, eine Gruppe schwarz gekleideter Maedchen, die juedische Lieder sangen. Erst wirkte das etwas skurril, als ich jedoch eine Weile zugehoert hatte, bekam ich sogar etwas Gaensehaut. Wie es scheint waren es eine Gruppe Graduierte aus den USA, wahrscheinlich einer juedisch-orthodoxen Schule:

Ich kehrte zurueck zum Hostel und traf dort auf ein paar andere Gaeste, alles war sehr familiaer gehalten, denn das Hostel verfuegte nur ueber zwei Dormitorys mit je 6 Betten und zwei private Zimmer. Ich ging die Strasse hinunter und fand einen russischen Minimarkt, also einen Mini-Supermarkt mt allerhand merkwuerdigen russischen Lebensmitteln: eine Wand Wein, eine Wand Bonbons, eine Wand Kekse und Fisch. Aus den restlichen Regalen waehlte ich eine Packung Hirse und gefrorene Ravioli mit Kaesefuellung. Die Ravioli teilte ich mit einer Suedafrikanerin, die auch im Hostel wohnte, und gerade einen Monat im Kibbuz gearbeitet hat. Ein weiterer Gast, ein aelterer deutscher Herr, wollte den “National Trail” machen und wurde von der Besitzerin Lee eingewiesen. Ich hingegen wollte nichts mehr als den Krater hinunterzusteigen. Lee gab mir eine Karte und zeigte mir die Wege, die ich nehmen konnte: ich entschied mich fuer den Babyweg:) der innerhalb von 2-3 Stunden zu absolvieren war, und gegen den langen, 5stuendigen, da ich mir lieber etwas Zeit lassen wollte. Ich freute mich sehr darauf und da ich nicht viel Schlaf bekommen hatte in der letzten Nacht, legte ich mich schlafen.

Am naechsten morgen wachte ich frueh auf, trank einen Kaffee und fing an, die Hirse zuzubereiten. Sie sollte mein Fruehstueck und auch mein Proviant fuer die Wanderung werden. Ich teile wieder mit der Suedafrikanerin, die Hirse noch nie zuvor gegessen hatte. Dann machte ich mich auf den Weg in die Innenstadt, um noch Wasser zu kaufen. Da meine Sonnenbrille vor einigen Tagen kaputt gegangen war, wollte ich mir eine neue holen. Auf dem Markt fand ich keine, nur in dem Kram-Shop dahinter hatte ich aus 2 verschiedenen Billigbrillen die Auswahl. Ich entschied mich fuer die Herzchenbrille, die 40 Shekel haette kosten sollen, aber ich handelte mit dem Shopkeeper auf 35 herunter, was immernoch teuer genug war fuer eine ein-Euro-Sonnenbrille. Alles auf hebraeisch, uebrigens. Die zweite stolz-auf-mich-Situation passiert nur kurz darauf, als ich mich wieder zum Aussichtspunkt aufmachte: Ein Israeli fragte mich auf hebraeisch etwas, und ich antwortete kompetent. Hier das Gespraech uebersetzt auf Deutsch: Er: “Geht es hier zum Krater?” Ich: “Ja”. Er: “Kann ich dort mit dem Auto ankommen?” Ich: “Ja”. :) Ich sollte mich definitiv als Touristenfuehrer anmelden!! Aber ernsthaft, dieses Mal verstehe ich wie durch ein Wunder ploetzlich sehr viele Menschen, wenn sie hebraeisch sprechen, und kann sogar kleine Konversationen fuehren, obwohl ich im letzten Jahr kaum studiert habe. Es stimmt, was die Leute sagen: Das Sprachverstaendnis entwickelt sich in Spruengen!

Als ich den Abstieg begann, entschied ich mich, mehr Videos zu machen als Fotos, da die Fotos hier in der Wueste leider etwas langweilig aussahen und man die vielen Feinheiten nicht erkennen konnte, die sich in der Weitlaeufigkeit verloren. Leider laedt es die Videos hier sehr langsam ins Internet hoch, so dass ich sie evtl. erst spaeter einfuegen werden kann. Deswegen warte ich auf die Videos und daher gibt es diesmal einen Teil 2.

Brunnen 7 – am Rande des Negev – Be’er Sheva

Brunnen 7 – am Rande des Negev – Be’er Sheva

Gegen 18.30h kam ich an Be’er Sheva ‘s Universitaet an. Durch landesuebliche Hektik und die Tatsache, dass mein Rucksack von anderen Gepaeckstuecken tief in das Businnere gedraengt worden war, kroch ich weit hinein und zog an den Haltern meines Rucksacks, wodurch die untere Polsterung riss. Unter lautem Fluchen schaffte ich es dann doch, meinen Rucksack zu befreien. Dabei musste ein kleinerer, vorne liegender Rucksack herausgefallen sein. Die Gepaecktuer schloss sich bereits, als ich gerade mal meinen Kopf herausgezogen hatte und schon war der Bus verschwunden. Ich entdeckte den herrenlosen Rucksack und fluchte erneut, tauschte mich mit den anderen Leuten aus, die ausgestiegen waren, und ein junger, vielleicht 14jaehriger Junge nahm den Rucksack an sich und nahm den naechsten Bus, um ihn zurueckzubringen.

Nachdem nun diese Huerde genommen war, rief ich Ron an, welcher wenige Minuten spaeter gutgelaunt hinter mir auftauchte. Er trug meinen Rucksack und wir liefen einige Meter bis zu seinem Appartment in der Ringelblum Strasse. Er wohnte in einem gemuetlichen Studentenappartment mit zwei Mitbewohnern, Johnathan und einem Maedchen, dass ich kaum zu Gesicht bekam.

Von Tel Aviv kommend, nahm mich die Entspanntheit und Ruhe der Stadt sofort ein, und ich hatte das Gefuehl, besser atmen zu koennen. Die ersten Stunden schwebte ich auf einer gluecklichen Wolke, und liess mich treiben. Nachdem Ron mir einige Lieder auf seiner Gitarre vorgespielt hatte, gingen wir zu einem nahegelegenen “Einkaufszentrum”, was in Be’er Sheva bedeutete: Ein Supermarkt, ein Kiosk, ein Sushi Restaurant und einige Marktlaeden. Es war definitiv eines der duesteren Teile der Stadt und es ist nicht empfehlenswert, sich dort nachts zu lange aufzuhalten.

Be’er Sheva ist eine fast reine Universitaetsstadt. Die sonst langweilige Hauptstadt der Wueste wird duch die ca. 20.000 Studenten aufgepeppt, und es gibt doch ein, zwei gut besuchte Bars pro Nacht. Man hatte mich jedoch ausfuehrlichst gewarnt: Ausser diesen gibt es in Be’er Sheva wahrlich nichts zu sehen oder zu tun. Doch das war in Ordnung – an jenem Abend gingen wir mit Ron’s Freundin Bar (das ist ihr Name) in die nahgelegene Bar “Publo”, die etwas versteckt auf der Hauptstrasse (Rager) liegt. An diesem Abend fehlte es mir wirklich an nichts. Es sollte sogar noch besser kommen: Weil Ron bei seiner Freundin uebernachtete, durfte ich in seinem Zimmer, in seinem Bett schlafen, anstatt im Wohnzimmer.

Am naechsten Tag liess ich es ebenfalls ruhig angehen. Ron und ich kauften ein, und ich kochte ein leckeres CousCous-Gericht fuer uns, meine Spezialitaet. Gegen Nachmittag machte ich einen kleinen Spaziergang, ueberquerte eine Bruecke und fand eine merkwuerdige Szenerie aus Wueste, Gleisen und Muell… einige Meter dahinter erstreckte sich ein etwas edleres Neubauviertel, dass ich durchstreifte, dann zurueckkehrte und mir den Sonnenuntergang inmitten der erwaehnten Szenerie ansah. Dies hatte nichts von Schoenheit, noch von Natur, sondern eher eine abstrakte, surreale Note, schwer einzuordnen, und sicher nichts, was zu irgendeinem Zweck zu gebrauchen waere, ausser vielleicht ein Einkaufszentrum oder einen Parkplatz auf gelbweissem Wuestenboden zu errichten.

Die Szenerie, die Sinnlosigkeit dieses Ortes machte mir bei meiner Rueckkehr mehr zu schaffen als ich glaubte, ist sie doch das absolute Gegenteil dessen, nach was ich suche. Nirgendwo schien die Natur mir ferner zu sein als an diesem Ort. Deprimiert und versteinert fing ich an, mir Sorgen zu machen. Wo sollte ich nun hin? Ich konnte des Weg nicht sehen. Ich hatte das Gefuehl, ich waere am falschen Ort gelandet, verloren in der vertrockneten Wueste aus Plastikstuehlen und humpelnden Hunden. Auch der Sonnenuntergang hinterliess nur Staub in meinen Augen. Siehe da – meine erste handfeste Krise. Denn der uerspruengliche Plan war, das Rainbow-Treffen aufzusuchen, doch ich schaffte es einfach nicht, mich alleine an den Strassenrand zu stellen und zu trampen, an einen unbekannten Ort in der Wueste zu gehen ohne zu wissen ob dort noch jemand war, da das Festival eigentlich fast zuende war. Andere Ideen, wie der Ashram, waren zu teuer. Die letzte Idee war Mitzpe Ramon, ein kleines Dorf im Negev mit Blick auf einen Krater: nach einigen Recherchen fanden wir ein Hostel, das auch einen Raum fuer Couchsurfer hat. Ron rief die Besitzerin an, die jedoch meinte, ich muesse einen normalen CS Request schreiben. Da aber Ron gestresst mit seinen Studien war, verschob ich das auf spaeter.

Ron versuchte mich aufzumuntern und ueberredete mich, mit zu einem Shabbat Dinner zu Freunden zu kommen. Ich sagte zu, und wir hatten ein gutes Gespraech auf dem Weg, jedoch hatte ich, beim Freund Roy angekommen, weder Lust zu kochen, zu essen, noch Bier zu trinken. Ueberraschenderweise war das Essen dann doch sehr sehr lecker, es gab Linsen, Reis mit Rosmarin, Tchina und Salat. Ein weiterer Gast brachte suesses jemenitisches Brot von seiner Mutter mit, welches alle gierig verschlangen; ich jedoch musste zugeben, dass alles unfassbar lecker war, aber wenn es um Brot geht, habe ich nie ein besseres gegessen als in Deutschland. Hier uebrigens eine schoene von Ron handgemachte Stadtkarte von Be’er Sheva: Mehr braucht man nicht

Nach dem Essen verzog ich mich an den Computer des Gastgebers und schrieb eine Anfrage an die Frau des Hostels in Mitzpe Ramon, und verfasste einen weiteren Blogeintrag. Danach gingen wir noch in eine Bar namens “Coca”, die an diesem Freitag abend doch sehr gut besucht war. Ich trank einen warmen Cider mit Rotwein fuer 20 Schekel. Sehr empfehlenswert in einer kuehlen Wuestennacht.

Im Coca: Ich, Bar und Oded, den ich aber Moritz nenne, wegen seiner Aehnlichkeit mit Moritz Bleibtreu. :) Man sieht mir meine Muedigkeit laengst an. Dieses Mal schlafe ich im kuehlen Wohnzimmer auf dem Sofa. Ich merke, dass die Gastfreundschaft bald zu Ende sein wird. Am naechsten Tag bleibe ich zu Hause, obwohl ich zum Humus machen eingeladen wurde. Ich schreibe Nachrichten an bekannte und unbekannte, poste im Couchsurfing Forum, rufe meinen Naturfreund Or an.

Die Universitaet in Be’er Sheva zeigt jeden Shabbatabend einen Film, den wir uns (Ron, seine Freundin Sunshine und ich) bei dieser Gelegenheit ansehen: Almodovars “La piel que habito”. Dass in einer Uni abends Popcorn verkauft wird ist fuer mich etwas neues, dass nach einer Stunde eine kurze Pause eingelegt wird auch, aber das krasseste sollte erst noch passieren: An einer ziemlich spannenden Stelle des Films faegt ein Maedchen aus dem Publikum ploetzlich panisch an zu schreien: Innerhalb einer Sekunde (ungelogen!) war der Film aus, das Licht an, und die Haelfte der Leute war aufgesprungen um zu sehen was passiert war. Scheinbar ist der Freund der panischen Ruferin umgekippt. Bald wurde klar, dass es nichts ernstes war, aber jeder hatte einen mittelgrossen Schreck davongetragen. Der Kerl wurde vom Kopf der medizinischen Fakultaet betreut, und wir wurden aus dem Hoersaal gebeten und bekamen warmen Tee angeboten (unglaublich, was die Menschen hier als “kalt” empfinden, zwar in Socken und Sandalen aus dem Haus gehen, aber dann bei 14 Grad anfangen zu erfrieren, lustiges Volk). Nach ca. 20 Minuten, nachdem die Security scherzend hereinlief und fragte, ob alles gut ist und alle noch atmen, wurde der Film zuende geschaut.

Meine Posts, Anrufe und eMails haben auch etwas gebracht: Fuer Sonntag habe ich das kostenlose Zimmer im Hostel von Mizpe Ramon, und ein polnisches Maedchen namens Maja, das in Berlin wohnt hat mich angeschrieben, dass sie ebenfalls noch 2 Wochen in Israel ist und Lust hat, sich mit mir zu treffen. Or hat mich eingeladen, Oliven zu pfluecken und wird sich die naechsten Tage nochmal melden. Doch erstmal geht es nach Mizpe Ramon, wo man mir einen 40 Kilometer breiten Krater versprochen hat. Ob das wohl stimmt? Es macht mir Spass, diese Dinge nicht einfach zu googeln, sondern selbst nachzusehen. Je weniger Ideen man von einem Ort hat, desto ueberraschter ist man am Schluss.

Tel Aviv fuer Experten – die letzten Tage

Tel Aviv fuer Experten – die letzten Tage

In den letzten Tagen in Tel Aviv geschah einiges, einiges eher belangloses, aber auch einiges interessantes. Ich traf mich noch mit verschiedenen alten und neuen Freunden, hatte die Ehre mich fuer zwei Stunden mit Kobbie zu treffen, den ich seit Jahren nicht gesehen habe, und dessen Leben sich genauso um 180 Grad gewendet hat wie meins.

Yossi, den ich bisher nicht kannte, lud mich nach Yafo zu Humus und einem Kaffee ein.

Auf der Alenbi/King George Strasse ass ich mein israelisches Lieblingsessen: Jachnun. Eine frittierte Teigrolle mit einem harten Ei, extrem leckerer Tomatensosse und scharfem Gewuerz. Der Laden heisst “Jachnun shel Ima” (Jachnun von Mama).typisches Essen aus Jemen

Als naechstes bin ich zu einer Bar ins Zentrum gefahren, (Bootleg Bar) wo ein sehr talentierter DJ namens YosTek auflegte. Ich kenne ihn seit Jahren und bin ein grosser Fan – und mittlerweile fuellt er auch in Berlin die Laeden. An diesem Montag abend jedoch waren wir wirklich eher unter uns, was definitiv auch was fuer sich hatte.

Fuer die letzten zwei Tage zog ich zu einem neuen Couchsurfing-Host, ganz in die Naehe, hinter der Hoodna Bar in der Rehov Abarbanel. Dieser besass ein ueberraschend riesiges Studio Appartment und spielte Call of Duty auf einem riesigen HD Bildschirm, wenn er nicht gerade in der Israelischen Hi-Tech Industrie arbeitete. Eigentlich hatte ich vor, einige Tage eher in Richtung Wueste zu fahren, aber mein Host Ron hatte mich gebeten, meine Ankunft auf das Wochenende zu verlegen. Ron hatte ich bereits von Deutschland aus angeschrieben, um mich mit ihm vielleicht zu treffe, da er mir sehr aehnlich scheint. Er antwortete mir, dass er mittlerweile in Beer Sheva wohnt um dort zu studieren. Da er so liebevoll und nett war, wollte ich ihn definitiv treffen und als ich am Montag mit ihm telefonierte, sagte er, dass er auf jeden Fall einen Schlafplatz fuer mich finden wuerde, sollte es in seiner WG nicht klappen. Also vertraute ich voll und ganz auf ihn und setzte meinen Abfahrtsplan auf Donnerstag Nachmittag. So lange hatte ich die Ehre in diesem Appartment zu verweilen:

Am letzten Abend nahm ich noch an einem deutsch-hebraeischen Sprachtreff teil, welcher vom Goethe Institut organisiert wird, aber viele auch durch Couchsurfing davon erfuhren. Dort lernte ich Jana aus Oesterreich kennen, die in der Botschaft arbeitet, sowie Silvia aus Dresden, die seit vier Jahren in Tel Aviv wohnt und den schwulen Israeli Eyal, der es auf mysterioese Weise geschafft hat, innerhalb eines 2monatigen Sprachkurses in Wien fast perfektes Deutsch zu sprechen. Ich zog mit ihm noch zu einer anderen Bar, wo wir auf Jule trafen, die auch ein Praktikum beim Goethe Institut macht.

Am naechsten Morgen war ich ob der Biere etwas uebernaechtigt, machte mich jedoch bald fertig zur Abreise. Gegen 16 Uhr lief ich mit meinem Rucksack die gesamte Levinski Strasse entlang, die direkt von Florentin zur Central Bus Station fuehrt. Das Bild, dass Tel Aviv an jenem Tag abgab, machte es mir einfach, zu gehen. Die komplette einspurige Strasse entlang gab es Stau, Baustellen und Menschen, die einen anrempelten… je naeher ich zum Bahnhof kam, desto mehr wurde die Stadt zum “Ghetto”, es ist die Gegend der Slums und Arbeitslosen… Zu guter letzt kam ich nach ca. 20 Minuten an den Busbahnhof, und da ging der Stress weiter: Wie jedes Mal, wenn ich dort ankomme, versuchte ich ein Ticket zu kaufen und fand weder eine Information noch einen Ticketschalter in dem grossen 7stoeckigen Chaos. Als ich dann endlich die Plattform finde, schickt mich der Ticketverkaufer an Station Nr. 625 nach Beer Sheva. Der Bus ist bereits da und komplett voller Soldaten. Ich entscheide mich, auf den naechsten zu warten. Wenige Minuten spaeter kam auch dieser, und ich warf meinen Rucksack in die Gepaeckablage und draengte mich in den Bus, zahlte 16,50 Schekel und hatte einen Platz am Fenster. Ron rief mich an, und sagte, ich solle an der Universitaet aussteigen, dort wuerde er mich abholen. Um 17 Uhr verliess unser Bus die Station, kurz nachdem die Sonne untergegangen war. Ab diesem Moment war Tel Aviv war nur noch ein Meer aus den Lichtern der stehenden Autos, die die Haesslichkeit jeder einzelnen Stadt reflektiert und Thomas D fluesterte in mein Ohr “Es ist Krieg im Himmel und wir sind auf uns gestellt – Und du dachtest Lichterketten retten deine Welt”‘.