Good Bye Guatemala….

Good Bye Guatemala….

“Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan den, Herz, nimm Abschied und gesunde”

Hermann Hesse

Einleitung

Ausschlag fuer die “Rebirth Tour 2013”, wie ich sie nenne, gab die Orakelkarte der “Wiedergeburt”, die mir bei zwei Kartenlesungen als erste Karte fiel. Sie deckt sich mit dem Gefuehl, dass nach der Cosmic Convergence relativ ploetzlich auftrat. Jenes Gefuehl – das Gefehl, ein neues Leben beginnen zu wollen, und alles Alte hinter sich zu lassen – trat das erste mal am 1.1.2013 in Erscheinung. Um die Phaenomene, die Anfang 2013 passierten und noch immer passieren, recht verstaendlich zu machen, muss ich in diesem Beitrag sehr persoenlich werden. Es gibt tiefere Einblicke in mein Gefuehls- und Seelenleben als sonst, wenn ich auch noch immer Dinge auslassen musste, die zu privat sind. Ich moechte davor warnen, denn ich weiss dass ich sehr viele verschiedene Leser habe die aus verschiedenen Gruenden auf meinen Blog gelangen. Ich habe fuer Menschen, die nur Informationen suchen, zum Beispiel zur Reise mit dem Ticabus, fuer die es sehr wenig Erfahrungsberichte im Internet gibt, definitiv ein paar Tipps, aber ich moechte eben vorausschicken, dass ihr Dinge von mir erfahren koenntet, die ihr vielleicht niemals erfahren wolltet.

Und nun muss ich ausholen.

Ich lernte auf dem Rainbow einen CostaRicaner namens Francisco kennen.  Wir verstanden uns zwar selten gut, dennoch erlebten wir diese intensive Tage zusammen, und er war nicht nur der erste Mensch, den ich an der Bushaltestelle zum Rainbow traf, sondern auch traf ich ihn zufaellig am selben Ort zu seiner Abfahrt, kurz nach Ausbruch der Amoeben-Ruhr auf dem Rainbow. Zu diesem Zeitpunkt machten wir aus, uns auf der Cosmic Convergence in Guatemala wiederzusehen. Es gab da irgendetwas, das ich nicht erklaeren konnte.

Trotz Krankheit fuhr ich dann am naechsten Tag – um 13 .00h am 27.12. – mit einem Bekannten namens  Ritchie und dem Finnen Tommy mit dem VW Kaefer “Mira” Richtung San Cristobal de las Casas.

Die kommende Odysee mit Ritchie ist eine Story fuer sich und wurde bereits im letzten Beitrag angerissen. An guten Tagen fuehlte ich eine Vorfreude und ein inneres Glueck in mir, welche  ich wohl vor dem grossen Wendepunkt in Palenque nicht kannte. Es war kein Gedanke an Glueck, mehr eine Essenz, eine innere Sicherheit. Eigentlich war es so real, dass ich es nicht als “mein Gluecklichsein” beschreiben wuerde, sondern eher war ich Teil eines universalen Glueckes. Es war der Anfang des Verstaendnisses, dass wir nicht getrennt sind.

Ueberschattet wurde dieses Glueck nur durch die Schwaeche, die die Amoeben in mich frassen, dann wurde ein Tag zum Kampf, und in Quetzaltenango verlor ich schon mal jede Hoffnung auf Heilung.

Zur Cosmic Convergence schaffte ich es dann wirklich nur mit letzter Kraft, und nach vielen Tagen ohne Nahrung wurden mir doch die zwei Tage Energie geschenkt, so dass ich die Feste in Ruhe geniessen konnte. Es war ein wahrer Traum. Francisco war jedoch nicht gekommen.

Ich verliess das Festival mit Oskar, einem Berliner Freund, und wir verbrachten einige Tage erst in San Pedro, dann zogen wir nach San Marcos. Er war es, der meine Post-Zeitenwende-Depression ertragen musste. Da war ich nun – am Lago Atitlan, dem Ort meiner Traeume, von welchem ich seit Monaten Visionen hatte, auf den ich lange gewartet hatte: endlich war ich wieder zurueck, zwar noch immer krank, aber ich war angekommen…

Lago

War ich? Kommen Menschen wie ich eigentlich ueberhaupt irgendwann an? Oder erhaschen wir nur eine kurze Idee von Heimat, wenn wir an einem wirklich angenehmen Ort sind, an dem wir nicht bleiben duerfen? “…an keinem wie an einer Heimat haengen…”

Der innere Ruf war wieder ertoent. Es war keine Zeit, um anzukommen. Es war keine Zeit, um sich auszuruhen. Jeder wahre Reisende kennt den inneren Ruf, der staerker ist, als jede Idee oder Planung. Aber ich wehrte mich. Was war das? War das alles nur ein Spiel? Wer ist es, der das Recht hat mich zu rufen, wohin es ihm gefaellt? Und so sass ich an meinem geliebten See, und hatte nichts anderes im Sinn, als abzureisen, weit weg, in neue Laender, durch neue Gefahren und Abenteuer, immer weiter und weiter, fast eine Flucht, fast eine Hoffnung. Und immer eine Torheit zuviel.

Von Mitgliedern der Regenbogenfamilie, die in diesen Tagen am See verweilten, hoerte ich Geruechte von einem Rainbow in Costa Rica, sowie einem Ende Februar stattfindenden Festival im Sueden Costa Ricas. Zusammen mit dieser aussergewoehnlichen Verbindung zu Francisco wurde mir sehr bald klar, dass Costa Rica das Ziel sein wuerde – und nicht nur meines, sondern das vieler Rainbow-Freunde und Familien, der grossen Familie, auf die ich hier und da seit Kanada treffe ode rein Stueck mit ihnen reise, und von denen ich Tag fuer Tag mehr kennenlernte.

Die letzten Tage der Schwaeche und Krankheit verbrachte ich mit Oskar, einem sehr angenehmen, bodenstaendigen Zeitgenossen, aber auch einem rastlosen Gefahrensucher. Ich war dankbar, dass ich seit dem Rainbow nicht mehr alleine sein musste. Waehrend eines Pokerabendes dann, traf ich auf einen Bekannten vom Rainbow, welcher mir Franciscos Kontakt gab. Zwei Tage spaeter schrieb ich mit ihm. Er lud mich nach Costa Rica zu sich nach Hause ein. Das neue Ziel lag also fest. Und langsam, aber sich stellte sich dieses innere Kribbeln ein, das man hat, bevor man zu neuen unbekannten Gefilden reist.

In diesen Tagen verliess Oskar mit seiner Schwester den See und trampte in Richtung Semuc Champey. Ich hingegen, nun voellig entnervt von den Amoeben, fuhr mit einem Bekannten nach San Pedro, wo wir zum Arzt gingen und uns eine Dosis von 4 Tabletten gegen die Biester einwarfen, waehrend wir im “Buddha” sassen und die Annehmlichkeiten dieser wunderschoenen Bar genossen. (Sollte einer meiner Leser je in San Pedro landen, sind das “Malaysian Nasi Goreng” sowie ein Brownie mit Eis in der Buddha Bar ein absolutes Muss. Rechts daneben gibt es ein Restaurant, das von Italienern gefuehrt wird – hier empfehle ich aller waermstens die Spaghetti Aglio e Olio fur 28 Quetzales. Ein Traum.)

Die letzten Tage

Die naechsten Tage verbrachte ich damit, mich zu erholen und fuehlte mich himmlisch unter all diesen Umstaenden: Ich war am Lago Atitlan, einem der schoensten Orte dieser Erde, ich war geheilt, von  innen und aussen, und ich war verliebt in das Leben, die Luft, das Wasser und all diese wunderschoenen Menschen um mich herum. Und vor mir lag ein neues Abenteuer, eine Neuorientierung, ein neues Leben. Man kann es beschreiben als naehmen diese starken Energien ueberhand ueber mich, und es ist nicht laenger mein kleines Ego, dass Entscheidungen faellte, sondern ich fuegte mich eher in den grossen Fluss des Lebens, der so viel besser weiss, was gut fuer mich ist.

Und so erschien dann die Karte des REBIRTH bei meiner ersten Kartenlesung. In San Pedo gibt es dieses wunderschoene Restaurant namens “Home”. Neben Tischen und Haengematten im Garten hat es einen kleinen Raum, in dessen rechter Ecke ein Schrank voller lesenwerter Buecher und ein paar Tarotdecks; daneben ein kleiner niedriger Tisch und zwei an die Wand gelehnte Kissen. Wuerde ich in San Pedro wohnen, wuerde ich wahrscheinlich dieses Zimmer zu meinem zweiten Zuhause machen.

Kurz darauf zog ich zurueck nach San Pedro (Ich hatte 10 Tage in San Marcos gewohnt) und bezahlte fuer zwei Naechte. Meine Abfahrt legte ich auf den 15.1.2013. In einer der kleinen Gassen von San Pedro gab es eine Frau, die einem die Karten legte. Ich dachte schon mehrmals daran, sie um Rat zu fragen, und so tat ich das am Nachmittag vor meiner Abfahrt. Sie benutzte ein anderes Kartendeck, aber auch dieses verfuegte ueber die Karte der Wiedergeburt (Rebirth), welche ernet als erstes fiel. Die Dame fuegte hinzu, dass meine Zukunft viel Leichtigkeit haette, und ich eine neue Beziehung eingehen wuerde. Meine Entscheidung war jedoch sowieso laengst gefaellt. Und zum dritten Mal wurde San Pedro, so gerne ich es meine Heimat nennen wuerde, zu einem Wendepunkt. 2006 war es der suedlichste Punkt, an dem ich war, bevor ich zurueckreiste. 2012 war es der letzte Ort, den ich besuchte, bevor ich noerdlich nach Kanada reiste. Und jetzt war es der Ort, vom dem aus ich zu meinem neuen Abenteuer im Sueden reiste.

Die Abfahrt – Guatemala

Ich erwachte gegen 4 Uhr morgens. Da ich nicht mehr schlafen konnte, und ich die seltene Stille um mich herum nutzen wollte, begann ich eine Meditation und ging zu einer Invokation ueber. Ich rief alle Kraefte und Energien fuer die naechsten Tage zusammen. Nur die hoechsten Visionen sollten sich verwirklichen. Eine Stunde spaeter machte ich das Licht an, und begann ohne Eile meine Sachen zu packen. Ich sattelte mein imaginaeres Pferd, schloss die Tuere hinter mir, holte Geld beim Automaten, und stand, noch in Dunkelheit, puenktlich um 6 Uhr vor dem Chickenbus am Marktplatz. Mein Rucksack war ungewoehnlich leicht. Ich stieg ein.

Eigentlich war es mir egal gewesen, wann ich fahre. Dies fiel mir auf, waehrend wir den Berg erklimmten und die Sonne ueber dem Seer aufging. Ich warf einen letzten Blick auf einen Ort, der fuer mich nicht nur in der aeusseren Welt existiert, sondern laengst ein innerer Ort geworden war, den ich nicht vermissen brauchte, obwohl er der Ort auf der Welt war, der einer potenziellen Heimat am naechsten liegt. “an keinem wie an einer Heimat haengen”, fiel mir die Zeile wieder ein. Dann verschwand der See aus unserem Blickfeld, und eine lange, kurvige, unbequeme Fahrt nach Guatemala City lag vor uns.

Zentralamerikanische “Chickenbusse” sind alte ausrangierte Schulbusse aus den USA. Die Sitze sind dementsprechend klein, der Dieselmotor macht einen Hoellenlaerm und pustet schwarze Wolken hinter sich in die Luft. Ueber dem Fahrer klebt daher ein Sticker “Perdon por el polvito” (Entschuldigung fuer die Staeubchen). Getankt werden die Busse manchmal wie auf einer Rennbahn: ein paar Teenager stehen am Strassenrand und fuellen den Inhalt eines Kanisters durch einen grossen Trichter in den Bus. Dann fliegt das Spielzeugauto weiter.

Normalerweise bin ich ja wirklich nicht paranoid, aber so viele Menschen haben mir von der Gefahr Guatemala Citys erzaehlt, dass ich dem Taxifahrer in der Stadt einen Euro Trinkgeld dafuer gab, dass er mich nicht in Stuecke hackte (und dass er mich nicht abzockte) als er mich zur Bushaltestelle fuhr. In einem Stueck stand ich also amTicabus in Guatemala City und kaufte mein Ticket. Es war das komplizierteste Ticket, dass ich je in meinen Haenden hielt, und beinhaltete so viele Informationen, dass ich mir beim besten Willen nicht alles merken konnte. Daher schrieb ich mir nur die wichtigsten Informationen auf: die der Wechselkurse. Auf der Reise von Guatemala nach Costa Rica wuerde ich vier Grenzen ueberqueren, wo ich Geld tauschen musste, und wo man mich auf jeden Fall beim Welchselkurs hintergehen wollte. Die Naechte verbringt man in den Hotels, die in den Terminals eingebaut sind. Dann gab es Mittagessen im Terminal, was wirklich lecker war.  Zum Glueck ueberzeugte mich die Dame, doch eine grosse Portion zu nehmen, denn meine maechste Mahlzeit war 24 Stunden entfernt.

Um 14 Uhr fuhren wir ab, und bereits wenige Stunden spaeter kamen wir an die Grenze zu El Salvador. Dort wechselte ich bei den Jungs auf der Strasse meine Quetzales in Dollar, machte aber trotz dass mir der Wechselkurs bekannt war, Verlust. Hinter der Grenze standen wir dann mit dem Bus sehr lange herum, so dass ich einen Schwarm schwarzer Voegel bei ihrem Tanz im Abendrot beobachtete, bis es dunkel war. Nicht ganz zwei Stunden spaeter erreichten wir dann San Salvador.

Aus Guatemala City kommend, war San Salvador eine positive Ueberraschung. Schon an der Stadtgrenze fuhren wir an langen wunderschoenen Grafittimauern entlang. Danach kamen wir in die “Zona Rosa” oder auch San Benito genannt, wo das teurere der zwei Ticabus-Hotels lag. Schoene Haeuser, saubere Strassen, attraktive Bars. San Salvador gefiel mir von Anfang an.

Sogar als wir an der zweiten, guenstigeren Busstation im Zentrum ankamen. Hier war dennoch eher die Herutergekommenheit vorherrschend, aber irgendwie hatte es trotzdem Charme… oder war denkt ihr so?

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San Salvador

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Feinstaub :)

fortsetzung folgt…

Rainbow und Cosmic Convergence – Zeitenwende 2012

Rainbow und Cosmic Convergence – Zeitenwende 2012

Ihr Liebsten, lange hat es gedauert und vieles ist passiert, bevor ich endlich mit einem neuen Artikel herausruecken kann. Ich bin noch immer krank und habe momentan nicht die Kraft, meinen Artikel so ausfuehrlich zu gestalten wie ich es mir wuenschte. Hier der Soundtrack zum Blog :) und wie immer, Kommentare und Kritik sind willkommen.

Der Rainbow

Am Nachmittag des 14.12. befanden sich meine Sachen und ich zusammen mit anderen Hippies auf dem lokalen Truck – 30 Minuten trennten mich von der “realen Welt” und einem Ort, der innerhalb von 14 Tagen mein Weltbild komplett veraendern sollte: dem globalen Rainbow Gathering 2012 bei Palenque, Chiapas. Am Rande des Feldweges, umgeben von freier Flaeche und Palmen, ueber dem grossen Eingang stand auf grossem Stoff geschrieben “Welcome Home”. Die Siedlung befand sich zu beiden Seiten eines Flusses, welcher stufenweise von Pool zu Pool floss und reichlich Gelegenheit zum baden gab. Abgesehen von diesem Fluss habe ich keine Fotos vom Rainbow selbst. Ich habe so ziemlich meine gewoehnliche Aktivitaet aufgegeben und mich vollstaendig auf eine neue Welt eingelassen – eine Welt die ich nicht kannte und nicht geglaubt haette, dass sie moeglich ist. Gerade sitze ich in San Marcos, Guatemala mit einem Kollegen und wir sind uns einig, dass es nahezu unmoeglich ist, den Rainbow zu beschreiben fuer Menschen, die es selbst nie erlebt haben. Deswegen moechte ich es hier auch gar nicht gross versuchen. Wikipedia schreibt folgendermassen:

“Ein Rainbow Gathering (engl. „Regenbogen-Zusammenkunft“) ist ein Treffen der Rainbow Family („Regenbogen-Familie“).

Es ist eine Mischung aus Festival und Landkommune auf Zeit und findet meist unter freiem Himmel in abgeschiedener Umgebung statt. Offizielle Veranstalter gibt es keine, sondern lediglich so genannte Focalizer, die Informationen zu Ort und Vorbereitung der Zusammenkunft verbreiten. Aufgrund der Abwesenheit jedweder Hierarchie sind diese Treffen ein Beispiel für Selbstorganisation und Anarchie.

Die Teilnehmer bezeichnen sich selbst als Rainbows und ihre Gemeinschaft als Rainbow Family. Sie sind unterschiedlicher nationaler und sozialer Herkunft und gehören vielfach diversenSubkulturen wie Hippies, Ökos, Friedens- und Umweltaktivisten, Selbstversorgern, Travellern, Aussteigern, Esoterikern und Hausbesetzern an. Genau so finden sich hier auch Lehrer, Ärzte, Handwerker, Künstler, Mütter mit Kindern und Studenten. Bei größeren Treffen finden sich regelmäßig auch Menschen aus der jeweiligen Umgebung ein, die mit ihrer Präsenz maßgeblich die Stimmung und Kultur der Zusammenkunft prägen.

Die Rainbow Family bezieht sich auf soziale Wertvorstellungen wie Kollektivität, Pazifismus, Spiritualität, Basisdemokratie und Umweltschutz. [1]

Auf einem Rainbow-Gathering werden anfallende Entscheidungen nach dem Konsensprinzip getroffen und ein Minimum an Regeln bestimmt das Zusammenleben für mehrere Wochen: Gewaltfreiheit, keine Alkoholika, keine harten Drogen, kein Handel mit Geld und keine elektrischen Geräte.

Der Regenbogen steht symbolisch für die verschiedenen Strömungen, Farben und Stämme der menschlichen Kultur [1]. Der Ursprungsmythos der Rainbows geht angeblich auf eine Legende des Hopi-Stammes zurück, die besagt, dass sich ein neuer Stamm aus Menschen aller Erdteile zusammenfinden wird, deren Farben so verschieden sind wie die des Regenbogens. Nach einer Epoche der Ausbeutung und des Krieges wird es dieser Stamm sein, so die Legende, der Mensch und Natur wieder versöhnt und die Erde heilt.”

Kurz beschrieben ist es eine Gemeinschaft ohne Grenzen, die mehr oder weniger ohne Regeln und Gesetze harmonisch miteinander lebt. Gegessen wird zwei Mal am Tag in einem grossen Kreis – zu Spitzenzeiten befanden sich um die 1500 Menschen auf dem Gelaende. Mit Essen wird von der veganen Gemeinschaftskueche versorgt, welche von Spenden lebt – abgesehen von diesen sogenannten “Magischen Hueten”, die herumgereicht werden, gibt es kein Gebrauch von Geld. Alkohol ist untersagt, und hoechst selten wird diese Regel gebrochen. Keine Seife im Fluss, Haende waschen vor dem Essen und keine Fotos ohne Erlaubnis, das sind mehr oder weniger die Richtlinien. Kurz vor Weihnachten entstand in “Downtown” ein Tauschmarkt, wo allerlei Waren und Kunst gegen andere Waren getauscht wurden. Das macht wahnsinnig Spass, und man hat ploetzlich eine Menge an Dingen, die man brauchte oder wollte und hat einigen Menschen dasselbe beschert. Hose gegen Ohrringe, Kerze gegen Kugelschreiber, Salbei gegen Copal, Schal gegen kleinen Stoffpilz. Sogar einen Schlafsack hatte ich an meinem ersten Tag abgestaubt.

Die Tage sind gefuellt mit Aktivitaeten. Wenn man nicht einfach nur entspannen will, oder im Fluss baden, hilft man entweder den verschiedenen Kuechen beim Schnippeln oder abwaschen, oder man nimmt an einer der vielen Workshops teil, tanzt, macht Musik, es gab sogar Temazcal (Schwitzhuette), und allerlei anderes zu tun.

Die Nacht auf den 21.12.2012 wird in Palenque keiner so schnell vergessen. Nach Einbruch der Dunkelheit machten sich viele auf den 20 Kilometer weiten Fussmarsch zu den Ruinen; andere blieben, so auch ich. Gegen Mitternacht fing es dann heftig an zu regnen. Ich hatte eine 1,5 x 3 Meter grosse Plastikplane gekauft – zusammen mit zwei italienischen Freunden versteckten wir uns und unser Gepaeck darunter. Nach einiger Zeit fluechteten die beiden in das Zelt von Freunden, und ich versuchte weiterhin zu schlafen unter dem Laerm des prasselnden Regens ueber mir und auf den chaotischen Gepaeckstuecken unter mir. Wenige Stunden spaeter kamen die beiden wieder und machten mich darauf aufmerksam, dass aus dem, was noch zuvor eine tiefe Ausbuchtung in der Erde, nun ein reissender Fluss geworden war. Wir fluechteten in die nahegelegene Fruechtekueche um ein spaerlich aber mit viel Liebe am Leben gehaltenes Feuer. Um die Kueche herum hatten sich mittlerweile zwei Fluesse gebildet, deren Gabelung sich direkt vor der Kueche befand, sollte es also weiterhin regnen, wuerde der Wasserpegel steigen und die Kueche unter Wasser setzen. Ich beschloss daher, mit meinen wichtigsten Dingen einen der Fluesse zu durchqueren und mich in die grosse Gemeinschaftskueche zu fluechten. Ich nahm meine zwei italienischen Freunde mit – mit Kopflampen und an den Haenden haltend suchten wir uns einen Weg durch die reissende Stroemung und schafften es schliesslich zur Kueche, wo sich bereits andere Rainbowler unter die Planen gerettet hatten. Es wurde gesungen, bis der Regen aufhoerte und der Sonne erstes Licht durch die Wolken strahlte. Es war ein besonderes Licht, darin war sich jeder einig. Dies war der Morgen des neuen Zeitalters.

Die Odyssee

Leider machte um Weihnachten herum ein Parasit den Umlauf im Rainbow und viele wurden krank und verliessen die Siedlung. Mich traf es am Abend des 25.12., ich lag regungslos unter meinem neuen Schlafsack und einem provisorischen Regenschutz. Ich entschied am naechsten Tag, den Rainbow fuer ein, zwei Tage zu verlassen und mich in Palenque auszukurieren. Ich fuhr mit einem Zeltnachbarn, Richie, und seinem Auto in die Stadt. An der Haltestelle traf ich auf Francsico, meinen Rainbowfreund, auf dem Weg zum Neujahrsfestival der “Cosmic Convergence 2012” am Atitlan See. Obwohl ich gerne auf dem Rainbow geblieben waere, wurde mir in diesem Moment klar, dass es auch fuer mich Zeit war, mich auf den Weg zum Festival und zu meinem naechsten Ziel zu machen: Dem Lago Atitlan… und dann begann die Odyssee. Ich mietete mit Richie eine Nacht in einer Posada in Palenque, und fuhr am naechsten Tag zurueck zum Rainbow, um meine Sachen zu holen und mich von diesem einmaligen Stueck Magie zu verabschieden. Dann, am 26.12. am fruehen Nachmittag fuhren Richie, ein Finne namens Tommy und ich in Richies mexikanischem 1982er VW Kaefer “Mira” Richtung San Cristobal de la Casas. Die Fahrt dauerte sechs Stunden, und als wir ankamen, war es bereits seit einiger Zeit dunkel. Wir versuchten es an mehreren Hosteltueren, und mussten herausfinden, dass fast alles komplett ausgebucht war. Tommy fand ein Hostel, wo er sein Zelt auf dem Dach aufstellen konnte, doch Richie und ich beschlossen, (es war bereits 22 Uhr) in eines der naechsten Doerfer zu fahren und dort Unterkunft zu suchen. Dies war jedoch leichter gesagt als getan. Wir fuhren und fuhren, fanden nichts, und es wurde immer spaeter… und irgendwann, bereits um 2 Uhr morgens, erreichten wir die Kolonialstadt Comitan. Mittlerweile waere uns der Preis egal gewesen, wir wollten einfach nur ein Bett. Die Stadt war gross und verfuegte ueber viele Hotels, und wir klopften an jedem Hostel oder Hotel, das wir fanden, im Zentrum, in Seitenstrassen, auf der Hauptstrasse. Es war schlimmer als in San Cristobal – es war komplett ausgebucht, nichts war zu finden. Diese Feiertage!! Wir verliessen die Stadt und stellten uns auf eine Tankstelle, wo wir ungefaehr zwei Stunden im Auto schliefen, bevor die Sonne aufging. Ab diesem Moment fuehlte ich mich ziemlich geraedert, man darf nicht vergessen, dass ich noch immer mit den Parasiten zu kaempfen hatte. Richie ging es zum Glueck jedoch ganz gut, und er fuhr uns zur Grenze Guatemalas. Nach dem ueblichen Grenzchaos, das dieses Mal noch die Registrierung eines Autos involvierte, fuhren wir weiter, durch Berg und Tal, und erreichten gegen 15 Uhr die Stadt Quetzaltenango. Dank des I-Phones von Richie ergoogelte ich ein freies Hostelzimmer in der Innenstadt und fiel dort kopfueber ins Bett. Kurz vor dem Einschlafen spuerte ich noch die Nachbeben des Rainbows – voller Frieden, traeumte von Fluessen und Dschungel, und schlief selig ein. Wenige Stunden spaeter jedoch erwachte ich nicht mehr ganz auf dieser Welle – die Krankheit hatte nun erneut zugeschlagen, hinterruecks mit einem Knueppel. Es war der 28. 12. und wir waren nur ein paar Stunden vom Lago Atitlan entfernt, aber mein Zustand liess eine Weiterfahrt absolut nicht zu. So lag ich also flach bis zum Morgen des 30.12., an welchem ich es gerade so schaffte, meine Sachen in das Auto zu verfrachten und mich in den Beifahrersitz zu begeben. Und dann, nach einer abenteuerreichen Fahrt auf dem offroad-Weg zum Lago kamen wir endlich an, in San Pedro la Laguna, wo, natuerlich, fast alles ausgebucht war. Gluecklicherweise fanden wir ein ziemlich haessliches aber freies Hotel, wo wir das Auto stehenlassen und fuer 30 Quetzales pro Person uebernachten konnten. Noch immer war ich schwach, und meine Hauptnahrung bestand seit 3 Tagen nur aus in Wasser geloesten Elektrolyten mit Erdbeergeschmack. Also ging ich auch hier wieder schlafen, in der Hoffnung auf neue Kraft zum Jahresausgang.

Und mir wurde gegeben. Am 31.12. ass ich zum Fruehstueck eine Huehnersuppe. es ging mir besser. Und dann setzten wir uns ins Boot nach Panajachel – zur

Cosmic Convergence 2012

Alle waren sie dort. Nicht nur der halbe Rainbow, inklusive vieler der Leute, mit denen ich in Kanada Kirschen gepflueckt hatte; auch ein sehr alter Freund von 2005 aus Berlin legte auf dem Festival auf, sowie ein Freund aus unserer Berliner Dubstep und Drum’n’Bass Crew (Dub der guten Hoffnung), Oskar. Fuer mich war es das erste Festival ohne Stimmungsheber (ausgenommen Kakao), also ohne Alkohol oder aehnlichem. Freies Campen gab es um zwei verlassene Haeuser herum und in ihnen – da ich kein Zelt hatte, machte ich es mir in einem der Haeuser gemuetlich. Kurz vor Mitternach dann nahmen Oskar und ich an einer Kakaozeremonie teil. Jeder bekam eine grosse Tasse puren Kakaos zu trinken; danach stand uns frei, ob wir tanzen oder meditieren wollten, ganz wie immer wir wuenschten – denn “Kakao hat die wunderbare Eigenschaft, dass sie dir eine Tuer zur Vertiefung oeffnet, dich aber nicht hindurchschiebt”, wie es Keith, der amerikanische Zeremonieleiter ausdrueckte. Ich betrachtete die Sterne eine ganze Weile, und dann ging ich, mit meiner Kamera bewaffnet, die Musiker und Kuenstler fotografieren, sowie die Kunstausstellung ansehen, und spaeter das Feuerwerk… eine wunderbare Nacht, ein einmaliges Neujahr. Am naechsten Tag war grosses  kollektives Entspannen angesagt, am See, unter den Vulkanen, in der Sonne. Nach solch einem wunderbaren Tag inmitten der galaktischen Familie fuhr ich mit Oskar nach San Pedro. Unser Boot fuhr gen Sonnenuntergang, beleutete seine Wolken goldfarben und  die Vulkane verschwanden im Nebel…


Und Schlag auf Schlag!
Werd ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst Du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!
Dann mag die Totenglocke schallen,
Dann bist du deines Dienstes frei,
Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,
Es sei die Zeit für mich vorbei!

Goethe, Faust 

Euch allen ein wunderbares 2013 – liebevolle Gruesse aus San Marcos, Lago Atitlan, Guatemala!

Eliane

IMG_1347Morgens auf dem Rainbow..

IMG_1373Rainbow

IMG_1387

Synchronicity Junction Rainbow

Sonnenuntergang am Lago

die letzte 2012 Sonne / Cosmic Convergence Festival

IMG_2037Kollektiventspannung 1.1.2013

IMG_2084Mayakinder lernen Hoola Hoop

IMG_2042“Telas”

IMG_2153Silvias Webstuhl

IMG_2117

Franco

Der Stoff, aus dem die Träume sind…

Der Stoff, aus dem die Träume sind…

“Eine Entscheidung zu treffen ist nur der Anfang. Wenn jemand einen Entschluss fasst, dann taucht er damit in eine gewaltige Strömung, die ihn mit sich zu Orten reisst, die er sich bei dem Entschluß niemals hätte träumen lassen.”

– Paulo Coelho, The Alchimist 

135 Tage voller Sonne, Strand, Dschungel, Berge, Sonnenuntergänge, Sternenhimmel, Vulkane, Krokodile und Kaffeebohnen in Mexiko und Guatemala sind vorüber. Zurückblickend kann ich behaupten: Die Mission war ein voller Erfolg. Nicht nur habe ich meine Lebensqualität drastisch verbessert, indem ich Zigaretten gegen Yoga tauschte, auch hat die Meditation mein Weltbild vervollständigt. Davon abgesehen war Mazunte die Zeit unseres Lebens: Papayasaft zum Frühstueck, schwimmen gehen in der Bucht, am Strand liegen, jeden Tag neue Menschen begrüßen, Abends Pizza und Wein mit meiner Freundin Chandler aus Kalifornien, oder ein Pokerabend mit Eric aus Kanada in seiner Bar, die verrückte Osterwoche geniessen mit der Band aus Mexiko City “Casa Verde Colectivo”, frischen Fisch speisen, und sich beim Tauchen im Meer das glitzernde Sonnenlicht auf den Bauch scheinen lassen, schwebend, lachend, wie in einem Traum eben. Das erzähle ich nicht, um hier jemanden neidisch zu machen, denn jeder sollte wissen, dass das wahre Glück erreichbar ist, näher als jedes andere Ziel. Eigentlich geht es nur darum, wieder zum Ursprung zurückzukehren. Zum Hier und Jetzt. Das ist der ganze Trick.

Vor ein paar Tagen wurde Mazunte von einem Hurrikane getroffen… Keiner wurde verletzt, aber das Dorf wurde zum Teil zerstört. Es war so etwas in der Luft, als ich ging, alle waren verschwunden, und viele, inklusive mir, träumten von Fluten.

Alles ist im Wandel…

Mexiko und Guatemala – kuriose Daten und Zahlen

  • Laengste Zeit an einem Ort (am Stück): Mazunte
  • Kaeltester Ort: San José del Pacifico, Oaxaca
  • Waermster Ort: Mazunte, Oaxaca
  • Ort, an dem ich am ehesten für ein Jahr bleiben könnte: San Pedro La Laguna, Guatemala
  • Luxurioeseste Unterkunft: San Pedro La Laguna,  Einzelzimmer mit Bad, Balkon und Haengematte, Blick auf den Atitlan See. 2 Euro pro Nacht.
  • Schaebigste Unterkunft: Zwei Stunden Halbschlaf im Busterminal von Tonala in Chiapas, neben einem stinkenden Penner.
  • Leckerstes Essen: Malaysisches Nasi Goreng (mit gebratenen Nudeln) in der Buddha Bar in San Pedro La Laguna, Guatemala.
  • Gesamtausgaben in Mexiko und Guatemala: 2027,85 Euro
  • Meditation und Yogakurse: 500 Euro
  • Durchschnittsausgaben am Tag (ausser Kosten für Kurse): 15,02 Euro.
  • Traumatischstes Erlebnis: Grenzuebertritt von Tuxtla Chico nach Guatemala
  • Spektakulaerste Natur: Lagunas de Chacahua

Gepäck nach 135 Tagen Backpacking beim Verlassen Mexikos. 16 Kilogramm plus Handgepaeck.

Kleidung:
  • 1 Kleid
  • 3 Pullis
  • 6 Hosen
  • 1 Unterhemd
  • 6 Tops
  • 2 T-Shirts
  • 2 paar Socken
  • 2 Roecke
  • 1 Stoffjacke
  • 1 paar Sandalen
  • 1 Schal
  • 1 Bikini
  • 1 Sarong
  • 1 Guertel
  • 1 Paar Sandalen von teva
Kosmetik:
  • Handspiegel
  • Bepanthen Salbe
  • Kontaktlinsenzubehoer
  • Make-Up
  • Haarbuerste
  • Pinzette
  • Einwegrasierer
  • Deo
  • Zahnbuerste
  • Zahnpasta
  • Nagelschere
Medizin:
  • Hansaplast
  • Perenterol
  • Soventol
  • VapoRub (super bei Stichen)
  • Desinfektionsspray
  • Ibuprofen
  • Dolormin
  • Loratadin
  • Ohropax
Sonstiges:
  • Seidenschlafsack
  • Haengematte (nie benutzt)
  • Reisehandtuch
  • aufblasbares Nackenkissen (bestes Gepaeckstueck! damit wird jede Busreise zum Traumland..)
  • Reiserucksack
  • Daypack
  • Stoffbeutel fuer dreckige Waesche
  • Kulturbeutel
  • Ledergeldbeutel
  • Mini-Geldbeutel
  • Bauchtasche
  • Taschenlampe
  • Pois
  • Raeucherstaebchen
  • Salbei
  • Reisewecker
  • Armbanduhr
  • Stifte
  • 4 Buecher
  • 2 Tagebuecher
  • 2 Notizbuecher
  • Fotos
  • Yoga-Diplom
  • Eine Tasche mit Schmuck und Fäden aus Mexiko (Bernstein, Jade, Armbänder, Ketten, Steine, Faeden etc.)
  • Reisepass
  • Kreditkarte
  • TAN Liste
  • Internationaler Fuehrerschein
  • Versicherungspolice
  • Impfpass

Ich schreibe bereits aus Kanada. Seit 5 Tagen couchsurfe ich in Montréal, Quebec. Am Donnerstag fahre ich mit einem Italiener, einem Kanadier, einem Iraner und einem noch unbekannten Mitreisenden von hier bis nach British Colombia. 5000 Kilometer, 5 Tage, 5 Personen, ein Auto. Ein Roadtrip vom allerfeinsten. Wir fahren dort zum Kirschen pflücken. Es wird alles erzählt.

Au revoir, mes amis, bis bald!