Goodbye Ennis / Into the Wild

Sonntag, 8.1.2017

Es ist wieder einer dieser Tage, die nur Magie hervorzaubern. Ich sitze um 16 Uhr in einem franzoesischen Cafe im malerischen Ennistimon und trinke Ginger Beer. Die Luft ist erfuellt vom Geruch nach Crepes und Klaengen der zwei Musiker, die leichte, gefuehlvolle irische Musik spielen (im Gegensatz zu den schnellen, intensiven, vielinstrumentigen Sessions in Pubs). Ich habe einen Sitz am Ende des Cafes gefunden, an einer Art Podest, und kann so den Blick nach draussen richten, wo die Kraehen gleich der Seevoegel ueber den Haeusern tanzen und die Naehe des Meeres erahnen lassen. Ich atme aus. Ein Moment perfekten Friedens.

Heute morgen stand ich frueh auf und packte meine Sachen zusammen. Es war Zeit geworden, Ennis zu verlassen, die Atmosphaere in Ruth’s Haus, in dem ich nun fast 2 Monate wohnte, war unertraeglich geworden. Ich zaehlte die letzten Tage bis zum Auszug und heute vormittag fuhr ich mit vollbepacktem Gipzymobile in Richtung neugewonnene Freiheit.

Ich besichtigte ein B&B in der Naehe von Teereen Lough, wo ein aelteres Ehepaar mir anbot fuer den letzten Monat in einem ihrer Zimmer zu uebernachten, fuer einen sehr grosszuegigen Preis. Ich liess mich von der Dame herumfuehren, die in ihrer fast uebertrieben freundlichen Tour mich so oft mit dem Namen “Elaine” ansprach, dass ich nach diesen 10 Minuten fast selbst glaubte, so zu heissen. Ich bedankte mich bei ihr und liess sie wissen, dass ich noch ein zweites Haus besichtigen werde, bevor ich mich entscheiden wuerde.

Langsam entschwand die Unterdrueckung und Kaelte, die ich die letzten Wochen erfuhr, aus meinen Nerven und Venen, und ich begann zu entspannen. Ich weiss die kurzen Stunden ohne ein festes Zuhause zu schaetzen und fuehle mich leicht, frei.

Wenn die Musiker spielen, wird es still im Cafe. Das tippen meiner Tastatur wirkt fast zu laut. Alle Gaeste scheinen gemeinsam in der Musik aufzugehen. Der Gitarrist hat begonnen zu singen.

I am not singing for the future

I am not dreaming of the past

I am not talking of the first time

I never think about the past.

Now this song is nearly over

we may never find out what it means

There is a light I hold before me

you are the measure of my dreams.

Ich merke in diesen Momenten, wenn wahres Glueck zu dir kommt, dann versucht man nicht, es einzufangen. Man denkt nicht einmal darueber nach. Wahres Glueck nimmt dich ganz. Und ganz ploetzlich braucht man nichts anderes mehr, man vertraut wieder auf das Leben, und was es einem bringt. Und dann endet das Lied, und die Gerauschkulisse im Cafe setzt fort.

Das zweite Haus, dass ich heute Abend besichtigen werde, ist etwas teurer, und weiter von meiner Arbeit entfernt, aber ich habe ein Gefuehl, dass ich es nehmen werde. Ich bin bereits vorbeigefahren, um die Gegend bei Licht zu sehen, bevor ich mich entscheide. Es befindet sich in einer wunderschoenen Gegend des Burren, westlich von Corofin, in der Naehe des Flusslaufes des Fergus. Ich konnte es kaum glauben, als ich die Strasse an diesem nebeligen, verregneten Nachmittag entlangfuhr. Rundherum nur Wildnis, Haeuser im Abstand von ueber 300 Meter, die direkten Nachbarn besitzen zwei suesse Esel und direkt gegenueber befindet sich ein Tannenwald. Absolute Stille.

Und kein Internet.

Nach einem Gespraech mit einem Bekannten ist mir wieder aufgefallen, wie sehr das Internet unsere wertvolle Zeit stehlen kann. Ich erinnerte mich an 5 Tage in eine Cottage in der Wildnis von Donegal im Winter 2015, ohne Internet, nur Kaminfeuer, Musik, Buecher, und Wanderungen in der freien Natur. Ich wurde neu geboren in dieser Huette, kam mit einem Ueberfluss an Glueck wieder hinaus. Es wird Zeit, dass ich diese Quelle an Inspiriation und Lebenskraft wieder mal anzapfe. Ich werde mich nun einfach aus dem Fenster lehnen, und sagen: Auf, back into the wild!

Der Song zum Post

Love you all,

Eliane

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