Nach einer laengeren Pause also, kann ich die Geschichte erzaehlen, wie ich von Guatemala nach British Colombia kam. Es wird eine laengere Geschichte werden. Ich hoffe, ihr bringt Zeit mit :)

San Pedro nach Cancun

Ich lag also gemuetlich in meinem Hotelzimmer in San Pedro la Laguna in Guatemala, am wunderschoenen Atitlan See. Die Sonne weckte mich, wie jeden Morgen durch das grosse Fenster, an meinem Kopfende, durch welche ich die Berge und den See jeden Tag aufs neue bewundern konnte. Ich teilte die Terrasse mit einem israelischen Freund namens Tutu, welcher das Zimmer nebenan bewohnte. Am Abend zuvor hatten wir ein Abschiedsessen in der Buddha Bar, wo es mit abstand das leckerste Essen gibt, dass ich auf diesem Kontinent bis dato probiert hatte. Dazu gab es ein Negra Modelo Bier, eines der besten dunklen Biere des Planeten, importiert aus Mexiko. Tagsueber sassen wir oft auf der Terrasse und machten etwas Schmuck… Tutus Halsketten waren die schoensten Handwerkswaren eines Reisenden Haendler, die ich je gesehen habe.; Opale, Amethysten, Lapislazulis, Mondsteine aus Thailand, Indien und Mexiko… eingebunden mit echten Perlen, Steinen und Silber.

Ich hatte eigentlich keinen Grund, San Pedro zu verlassen. Fuer mich hiess es: entweder  in einer Bar arbeiten und fuer eine lange Zeit am See bleiben, oder in den bereits gebuchten Flug nach Kanada steigen und sich auf das naechste Abenteuer einlassen: Kirschen pfluecken in British Colombia, Geld verdienen und weiterhin die Welt bereisen.

Naja, ihr koennt es euch denken.

Tutu ermutigte mich, mexikanische Schmuckwaren in Kanada zu verkaufen. Ich hatte zwar schon lange vor, Artesania zu betreiben, aber nicht viel Zeit gehabt, das Handwerk des Makramee und des Draht zu verfeinern; nun aber schien die Zeit und die Notwenigkeit gekommen, zumindest ein wenig mein letztes Geld, welches in Kanada nicht viel wert sein wird, an das neue Land anzupassen. Einkaufen in San Cristobal war also das naechste Ziel.

Am 10. Juni um 12 Uhr mittags fuhr mein lokaler “Chickenbus”, wie man die Busse in Guatemala salopp nennt, den holprigen Bergweg von San Pedro nach oben an den Highway, wo er mich an dem sogenannten “km 148” absetzt. Von dort geht es von Cuatro Caminos nach Huehuetenango, und von Huehuetenango eine laengere Fahrt bis nach La Mesia, der Grenzpoblation. Als ich dort ankam, war es bereits dunkel. Ich hatte gehoert, man solle den Grenzuebergang in der Dunkelheit meiden, und so fragte ich in einem Hotel nach, welches ein Zimmer zum horrenden Preis von 90 Quezales anbot. Die gleichen zwei Kerle fragte ich, ob es hier Internet gaebe, aber sie meinten, es sei schon geschlossen. Da etwas in mir sagte, dass die beiden wahrscheinlich luegen, marschierte ich nun erstmal die Strasse hinunter Richtung Grenze. Ich hatte noch ca. 20 Euro in der Tasche und hatte Hunger, und ich wusste noch nicht eiunmal, ob es nach 21 Uhr noch einen Bus von der Grenze nach San Cristobal gab.

Nach einer Weile so entlanglaufen hatte ich Glueck: Ich fand ein kleines Internetcafe. Dort fand ich heraus, dass um 22.30h der letzte Bus von Ciudad Cuauhtémoc (der Grenzstadt auf mexikanischer Seite) nach San Cristobal de las Casas fuhr. Was fuer ein Glueck! Ich verliess das Internetcafe und setzte mich noch kurz fuer eine Quesadilla in ein Strassenrestaurant. Die Bedienung hatte auf meine Quetzales kein Wechselgeld, sodass ich ihr meine restlichen Pesos anbot, die sie annahm, und die Rechnung fuer mich um einiges billiger wurde.

Dann liess ich mich von einem Tuktuk an die Grenze fahren und wechselte dort meine Quetzales in Pesos zu einem wirklich ueberraschend fairen Preis. Als naechstes fand ich mich hinter dem Computer der guatemaltekischen Grenzkontrolle, als sich der Beamte bei mir beschwerte, dass sich mein Pass nicht einscannen laesst und er alles von Hand eintippen muss. Ich solle doch bitte meinem Land sagen, dass es sich etwas modernisieren soll. Mein Argument, dass mein Pass selbst in Aegypten maschinenlesbar war ueberzeugte ihn nicht im geringsten. Auf mexikanischer Seite fragte ich dann nochmal nach, ob mein Pass lesbar sei. Der nette Mexikaner bejahte. Endlich wieder in Mexiko! Kaum zu glauben, dass ich noch vor zwei Wochen dort wegwollte.

Direkt gegenueber der Migracion war der Busbahnhof. Ich hatte noch ca. eine Stunde Zeit, bis der Bus fuhr. Dank der Kellnerin im Restaurant, die kein Wechselgeld hatte, hatte ich noch genau den Betrag fuer die Fahrt nach San Cristobal uebrig, 100 Pesos. Ticket also gekauft, und dann hiess es entspannen und warten. Als ich an einer Theke fragte, ob es Bier gaebe, wurde zwar verneint, daraufhin wurde ich aber vom Hotelmanager, der das Hotel im oberen Teil des Gebaeudes besass, zu einem Drink eingeladen. Es fing an, in Stroemen zu regnen. Juhu, zurueck in Chiapas!

Der Bus kam, ich stieg ein, und schlief. Ein paar Stunden spaeter, gegen 3 Uhr nachts, kam ich in San Cristobal an. Es war definitiv zu frueh, um in irgendeinem Hostel einzuchecken, geschweige denn jemanden aufzuwecken. Meine Versuche, auf dem zwar sauberen, aber eiskalten Fussboden der Wartehalle zu schlafen waren vergebens. Mit meinem letzten Geld kaufte ich mir einen heissen Cappuccino an der Snackbar – und bekam einen Zuckerschock. Wie dem auch sei… ab punkt sieben Uhr klopfte ich abwechselnd an den Tueren der Hostels “Rukache” (wo ich bereits das letzte Mal gewohnt hatte) und dem “Casa Libertad”. An der Tuer des Casa Libertad bewunderte ich ein Gemaelde, welches mit dem Kuenstlernamen “beyondeye” unterzeichnet war. Was ich damals noch nicht wusste: ich wuerde mit Stefano, dem Urheber dieser Gemaelde in Kanada reisen und arbeiten. Aber dazu spaeter.

Irgendwann oeffnete mir Edith, die ich sichtbar aus dem Bett geholt, die Tuer. Die naechsten 3 Tage wohnte ich ein weiteres Mal zusammen mit anderen Hippies im 40 Pesos- Hostel Rukache. Jeden Tag ging ich auf den Santo Domingo-Markt und kaufte dort zum Grosshandelspreis ein: Ketten, Armbaender, Bernstein, Jade, ein paar Ringe, Taschen. Einem Mexikaner im Hostel, den ich bereits zuvor in Mazunte kennengelernt hatte, kaufte ich ein paar Steine ab.

Am 14.6. war es dann Zeit, aufzubrechen, zu einer letzten Runde durch Chiapas. Ich nahm das Colectivo nach Ocosingo. Wie sich diese Stadt seit 6 Jahren veraendert hatte! Ich habe sie als kleines Dorf in Erinnerung, nicht ungleich anderer in dieser Gegend. Nun gab es hier eine Universitaet, und an der Infrastruktur kann man ebenfalls einen Umschwung erleben. Des weiteren haben die Colectivos von Ocosingo nach Palenque nun Konkurrenz, was einen erheblichen Unterschied an der Qualitaet der Fahrt hat – weniger Mitfahrer, schnellere Abfahrt. Alles in allem lief alles wie geschmiert, und ich kam puenktlich nach 5 Stunden im tropisch-schwuelwarmen Palenque an.

Der Busbahnhof in Palenque war voller Hippies und anderer Reisender. Mein Plan fuer die naechsten Tage sah folgendermassen aus: Mit dem Bus von Palenque nach Cancun ueber Nacht,  13 Stunden.  Dort komme ich am Morgen an und warte auf meinen Flug, welcher um 15.40h Uhr startet. Gegen 21.30h lande ich dann in New York. Dort holt mich dann Sam, mein Couchsurfer vom JFK ab und ich uebernachte bei ihm in Brooklyn. Am naechsten Morgen frueh um 7 Uhr verlaesst dann mein Anschlussflug den LaGuardia Flughafen von NYC Richtung Montreal, Kanada. Dort treffe ich mich dann mit meinem ersten kanadischen Couchsurfer, Simon.

One night in New York

Die weitere Reise nach New York verlief problemlos. Ich ass in Cancun noch eine letzte Quesadilla und fuhr puenktlich mit dem Shuttle zum Flughafen. Ich war aufgeregt, nach New York zu fliegen, die vielleicht bekannteste Stadt der Welt, die ich bisher nur aus Filmen kannte. Ich hatte meinen Flug absichtlich so gekauft, dass ich eine Nacht in New York verbringen konnte.

…Ladys and Gentlemen this is your captain speaking… willkommen zum American Airlines Flug von Cancun nach New York City. Wir werden unser Ziel in ungefähr 3 Stunden 45 Minuten erreichen, und sobald wir die Hoehe von 39.000 feet erreicht haben, werden die Anschnallzeichen erlischen…

Trotz verspaeteten Abfluges landete der American Airlines Flug planmaessig. Bereits an Bord bekam ich einen Vorgeschmack der New Yorker Menschen: die neben mir sitzende afroamerikanische Dame mittleren Alters swingte und schnippste ununterbrochen zu ihrer Kopfhoerermusik,  und sprach mit mir in typischen Dialekt, wie man ihn auch aus Filmen kennt (mhmmm, you we’come!). Ich war sofort verliebt. New York musste grossartig sein.

Nachdem Amerika mir jeden einzelnen Finger eingescannt und mein Gesicht fotografiert hatte, stand ich am Passenger Pick up vor dem Flughafen. Ein schwarzer Verkehrspolizist versuchte das Chaos der Autos etwas einzudaemmen, aber die New Yorker dachten gar nicht daran, seinen Anweisungen zu folgen. Ich beobachtete dieses Spektakel eine Weile mit einem Grinsen, bis mein unglaublicher Couchsurfing-Host Samvorbeifuhr um mich abzuholen (er hatte ein Auto gemietet, was in New York aehnlich ablaeuft wie eine DVD am Automaten auszuleihen). Da begann sie – meine kurze Nacht in New York!

Der Weg nach Brooklyn fuehrte durch Queens. Sam fuhr schnell. Alle anderen auch. Er erklaerte mir, dass man in New York keine Zeit hat, um langsam zu fahren. Ich musste lachen. Eine halbe Stunde spaeter kamen wir an. Mein erster Eindruck: Brooklyn sah ein bisschen aus wie Berlin, wie Friedrichshain vor ein paar Jahren. Definitiv sofort sympathisch. Eines aber war anders: die Menschen. Ja, sie waren viel cooler! Puerto Ricaner, Afroamerikaner und Weisse hingen herum und quatschten in coolem Dialekt. Wie ein Berlin ohne Deutsche. Ein Traum.

Sam lud mich zu Pizza ein, eine U-Bahnstation weiter. Beste Underground Pizza Brooklyns, Roberta’s, in 261 Moore Street. Bitte googeln, wer in Berlin wohnt, dann wisst ihr, warum es mich an Friedrichshain erinnert!  Nur die Preise sind etwas anders – 14 Dollar die Pizza, 6 Dollar das Bier. Und das war scheinbar billig. Wie auch immer, die Pizza war delizioes. Auf dem Nachhauseweg kauften wir noch zwei mexikanische Biere (auf meine Empfehlung) am Cornerstore und besetzten das Dach der 206 Schole Street. Es war bereits nach Mitternacht, als ich die Skyline Manhattans bewunderte, welche von dort aus zu sehen war. Unten in der Strasse sah ich zudem ein paar Ratten. Das alles war noch immer so sympathisch, dass ich eigentlich nicht zu Bett gehen wollte.

Aber ich musste. Keine vier Stunden hatte ich, um mich auszuruhen. Sam wachte nicht mit mir auf, aber stellte sein Ipad fuer mich auf Alarm, erklaerte mir, wie ich am besten zum Flughafen komme und liess mich schlafen. Um 5 Uhr piepte es, ich war wacher als erwartet. Keine Magenschmerzen oder sonstigen Schlafmangelsymptome. Genial.

Wie befohlen, betrat ich den Corner Shop um 5.30 Uhr morgens in der Daemmerung. Ich sagte, ich brauche ein Taxi zum Flughafen – wenige Sekunden spaeter, hatte eine PuertoRicanerin bereits den Taxiservice am Telefon, zwei weitere Minuten spaeter stand ein langes Auto mit Ledersitzen an der Ecke. Ich machte es mir im Innenraum bequem, wir hoerten spanische Nachrichten aus dem Radio, und ich liess meine Gedanken aus dem Fenster schweifen… viel Verkehr, ein paar Bruecken, fast wie jede andere Stadt. Um Punkt 6 Uhr stand ich vor den Tueren des, im Vergleich zum JFK, regelrecht niedlichen La Guardia Flughafens. Ich setzte mich in mein Gate, trank einen Kaffee, und schrieb Tagebuch. Meine Stimmung war nun eine ganz andere als noch vor ein paar Stunden.  Nicht mehr dramatisch, nicht mehr New York. Die Sonne ging auf, das Flugzeug kam an, es war das kleinste, das ich je betreten hatte. Keine Schnipserinnen mehr. Wir flogen auf gefuehlten 1000 Metern einen angenehmen Sightseeingflug ueber eine ziemlich unspektakulaere Landschaft, bis wir eine gute Stunde spaeter Montreal erreichten.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s