Am Dienstag frueh wachte ich ausgeschlafen im Green Backpackers in Mizpe Ramon auf, wo mich die liebenswuerdige Couchsurferin Lee zwei Tage kostenlos hatte uebernachten lassen. Ich bereitete mir Hirse fuers Fruehstueck und als Wegproviant zu, und packte in aller Ruhe meine Sachen zusammen. Aufgrund der naechtlichen Kaelte in fast ganz Israel hatte ich mich entschieden, fuer einige Tage nach Sinai in Aegyten zu fahren. In all meinen vorherigen Aufenthalten in Israel hatte ich diesen Schritt nicht gemacht, da ich nicht alleine fahren wollte und ich keine Mitreisenden gefunden hatte. Da ich nun aber ins Abenteuerfieber gekommen war, stand mein Entschluss fest: Ich gehe, ob alleine oder nicht.

Da von Mizpe Ramon nur vier Busse am Tag nach Eilat fuhren, der Stadt an der Suedspitze Israels, wollte ich mein Glueck als Tramperin versuchen. Ich stellte mich an die Bushaltestelle an der Strasse Nr. 40 und hielt den Daumen heraus. Nach einer Weile stellte ich jedoch fest, dass die meisten Autos entweder nach Mizpe Ramon hinein- oder zur Tankstelle gegenueber fuhren. Nach ca. einer Stunde gab ich auf und setzte mich auf einen Stein in die Sonne, wo ich bald von einer Katze Gesellschaft bekam, die meine Anwesenheit nutze, sich ein paar Streicheleinheiten zu ergattern. Irgendwann kam eine aeltere Dame vorbei, die nach Be’er Sheva fahren wollte, aber nicht wusste, wo der Bus fuhr. Ca. 5 Minuten lang diskutierte ich mit ihr auf simplem Hebraeisch ueber die richtige Bushaltestelle und schickte sie in die Innenstadt, wo ich wusste, dass dort der Bus Nr. 60 abfuhr, mit dem ich aus Be’er Sheva gekommen war. Dann bekam ich eine SMS von Maya, der Berlinerin, mit der ich einige Tage zuvor ausgemacht hatte, eventuell zusammen nach Sinai zu fahren. Sie war gerade ebenfalls auf dem Weg in den Sueden und wir machten aus, uns, sollten wir zur gleichen Zeit ankommen, zusammen ueber die Grenze nach Aegyten zu gehen.

Irgendwann kam dann einer der vier Busse nach Eilat, in den ich einstieg. Er war mal wieder ueberfuellt von Soldaten, die aber nach ca. einer Stunde alle an einem Militaerstuetzpunkt ausstiegen. Die Fahrt fuehrte duch eine teils oede, teils schoene Wuestenlandschaft bis zur zentralen Bushaltestelle in Eilat am Roten Meer. Maya kam ca. 20 Minuten spaeter mit einem Trampkollegen an, der seit 11 Monaten ohne Geld reist. Wir schafften den naechsten Bus nach Taba, der Grenzstadt, der uns 7,5 Shekel kostete. Dort stiegen wir aus und mussten unseren Weg durch einen Grenzparcour bahnen: Passportkontrolle Israel, Bezahlstelle der “Ausreisesteuer” von 101 Shekel Israel, Passkontrolle und Kontrolle der Bezahlung der Ausreisesteuer Israel, danach zwei Aegyptische Passkontrollen von Menschen auf Klappstuehlen, Eintritt in die “Arriving Hall” Aegypten, dortige Sicherheitskontrolle und Passkontrolle plus Stempelung der Paesse. Nach Verlassen der “Arriving Hall” mussten wir einen Kilometer laufen, um die Sinai-steuer von 75 Aegyptischen Pfund (ca. 10 Euro) zu zahlen, und unsere Nationalitaeten wurden in ein buntes Heft eingetragen.

Wir kamen ca. 17 Uhr an dieser letzten Parcourstation an, was bedeutete, dass es bereits dunkel geworden war; ausserdem waren wir die einzigen Einreisenden. Nun gab es zwei Moeglichkeiten: Entweder mit dem Taxi nach Nuweiba (ca. 67 km) oder nach Dahab (147km). Maya hatte keine Ahnung von Aegypten, und ich hatte nur am Abend zuvor den Wikitravel-Artikel ueber diese Gegend gelesen. Dort hiess es, man solle nicht mehr als 30EGP (3,80Euro) nach Dahab oder 20EGP (2,50Euro) nach Nuweiba zahlen. Ich war dafuer, nach Dahab zu fahren, aber wir konnten den einzigen, extrem unsympathischen, kaum englisch sprechenden Taxifahrer nur auf 50 EGP pro Person herunterhandeln. Danach begann eine abenteuerliche, fast zweistuendige Taxifahrt durch eine dunkle, einsame Wuestenstrasse Richtung Sueden. Bis Nuweiba war unser Fahrer noch ruhig, aber nachdem er in der Stadt Fruechte gekauft und seine Autoradio hatte reparieren lassen, wurde er etwas nervig. Er fing immer wieder an, “excuse me”… und sagte irgendetwas von “money”, was wir nicht verstanden. Erst versuchte er, den Preis fuer die Taxifahrt nochmal zu verdoppeln, und danach fing er an zu fragen, ob wir “tracha tracha” wollen und erzaehlte was von 300 Pound, die er uns beiden anbot. (Ich habe bereits zwei Aegypter gefragt, was tracha tracha bedeutet, aber keiner kannte es). Nachdem alles sehr suspekt wurde und wir immer wieder abwehrten, fing er an sich zu entschuldigen “sorry, sorry”. Die letzten 30 Minuten Taxifahrt waren fuer uns beide sehr lange, keiner sagte einen Ton, und wir waren sehr sehr froh, nicht alleine nach Aegypten eingereist zu sein.

Nachdem der Fahrer uns an der Promenade in Dahab abgesetzt hatte, entschuldigte er sich nochmals bei uns, wir aber waren einfach nur froh, ihn wegfahren zu sehen. Nachdem nun diese Huerde genommen war, kam die naechste: Wir waren muede, hungrig, und mussten uns den Weg mit unseren Rucksaecken durch die sehr touristische Promenade kaempfen, wo uns je von links und rechts Klamotten, Zimmer und Essen “angeboten” wurde. Nach einigen Minuten kamen wir an den Strandrestaurants an, und liessen uns gleich vom ersten zu freier Vorspeise, freiem Dessert und 20% Rabatt verfuehren. Es hiess “Same Same” und servierte aegyptische und marokkanische Spezialitaeten. Der Kellner, der, wie sich spaeter herausstellte, auch der Manager war, war der erste freundliche Aegypter der uns begegnete. Da sie kein Bier servierten, durfte ich mir ein Bier namens “Sakara” am Kiosk kaufen und bekam ein Glas dafuer. Nach dem Essen unterhielten wir uns noch etwas mit ihm, und er fragte, ob wir ein Zimmer braeuchten. Wir bejahten, sagten aber, dass wir mit sehr wenig Geld reisen. Er bot uns daraufhin an, im Restaurant zu uebernachten, nachdem es geschlossen wird. Das schien gang und gebe gewesen zu sein in einer Zeit, als Dahab ueberfuellt und ausgebucht gewesen war. Heute, so der Kellner, kommen weniger Menschen, seit den Revolutionen in Nordafrika.

Die Zeit bis zur Schliessung des Restaurants vertieben wir uns mit Stadt Land Fluss, Bier und Konversationen mit unserem neuen aegyptischen Freund. Ca. 23.30h wurden die Lichter ausgemacht und wir bereiteten unser Nachtlager hinter der Steinmauer des Restaurants, die uns von der Promenade trennte. Ich breitete meinen Schlafsack aus und schlief sofort ein, trotz der laermenden Musik aus der Mojitobar gegenueber.

Gegen 2 Uhr nachts wachte ich auf, weil sich drei sich lautstark unterhaltende Italiener direkt auf die Steinmauer ueber mir gesetzt hatten. Nachdem ich mir eine Weile vorgestellt hatte, die drei wie ein Zombie von hinten zu erschrecken, stand ich doch einfach auf und ging zur Toilette in der Mojito Bar. Als ich zurueckkam, sagten sie, ich solle doch ein Foto von ihnen machen, was ich auch tat und sie dann bat, sich bitte ein paar Meter weiter zu unterhalten, da ich dort schliefe. Sie regierten lachend und merkwuerdig, und als ich mich wieder hinlegen wollte, bemerkte ich, dass mein Schlafsack nass war und nach Mojito roch. Ich fragte sie “It’s wet here, did you do this”? Sie reagierten wieder sehr arrogant, der Mann sagte “It’s just the Mojito” und die andere sagte “No, no, haha, it’s raining, haha”. Sie gingen einige Meter weiter und ich fand zwei Strohhalme und eine Limonenscheibe auf meinem Nachtlager. Ganz ehrlich, ich habe noch nie so einen Hass gegen Personen gehabt wie in diesem Moment, am liebsten waere ich zu ihnen gegangen, haette ihnen die Strohhalme vor die Fuesse geworfen und ihnen ins Gesicht geschlagen, nicht nur weil sie ihren Mojito auf meinem Schlafsack ausgeschuettet haben, sondern wegen Ihrer unendlichen Arroganz und Verlogenheit. Ich hielt mich aber natuerlich zurueck und schluckte meinen Aerger. Ich legte mich mit meinem mojitogetraekten Schlafsack etwas weiter von der Strasse entfernt in eine Sitzecke, konnte danach aber nicht mehr wirklich schlafen, wachte alle 10 Minuten von irgendwelchen Geraeuschen auf und dazwischen traeumte ich wirr.

Auch Maja hatte schlecht geschlafen, da sie keinen Schlafsack hat und die meiste Zeit gefroren hatte. Uebernaechtigt verliessen wir das Restaurant gegen 7 Uhr, als es geoeffnet wurde und die Sonne hereinschien. Das alles war aber schnell vergessen als wir sahen, wie waermend die Sonne in Sinai Ende November war, und wir schoen das Rote Meer auf der einen und die roten Sandberge auf der anderen Seite aussahen. Ich weckte meine Kraefte mit einem italienischen Kaffee in einer Bar, die gerade oeffnete, und danach suchten wir ein Internetcafe. Nur einige Meter weiter folgten wir einem Schild, auf dem “Internet” stand. Wir fanden uns in einem Gaestehaus namens “Seven Heaven” wieder, wo wir uns auch gleich die Zimmer anschauten, denn wir wollten nichts mehr als ein eigenes Bett fuer diesem Tag. Dass wir ein Doppelzimmer im zweiten Stock eines von mehreren Holzhuetten an einem weissem Balkon mit Meerblick fuer 20 EGP (2,50Euro!) pro Person bekamen, uebertraf alle unsere Erwartungen. Wir nahmen das Zimmer sofort an, entluden uns unserer Rucksaecke und freuten uns wie Koeniginnen. Eine weitere Erforschung des Gaestehauses wartete mit weiteren Ueberraschungen. An der Rezeption bekamen wir freie Getraenke, und alle Besitzer (eine Familie) waren sehr sehr gastfreundlich und nett. Die Rezeption war uebersaet mit regelrechten Liebesbriefen von Geasten aus aller Welt in allen Sprachen. Fuer umgerechnet 5 Euro bekam ich ein reichhaltiges Fruehstueck und Maya und ich einen frisch gepressten Guavensaft, nach dem man sich die Finger leckte und sich nun endgueltig im Paradies waehnen konnte. :) In diesem Sinne sende ich herzliche, sonnige Gruesse in die Heimat!! Eliane

Weiterlesen: Ein Stück Ewigkeit

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