Israel fuer Fortgeschrittene – die ersten 48 Stunden in Tel Aviv

Nun habe ich die Ehre zu erzaehlen, wie meine ersten 48 Stunden in Tel Aviv abgelaufen sind, und was fuer ein Glueck ich habe.

Als ich wieder ins Flugzeug in Athen gestiegen bin, und gerade meinen Platz aufgesucht hatte, rempelte mich ein ca. 50 Jaehriger Mann an und entschuldigte sich auf Spanisch. Er war mit seiner Lebensgefaehrtin da, und wir kamen sofort ins Gespraech. Die beiden blubberten wie Wasserfaelle, als haetten sie 50 Tassen Kaffee zuviel getrunken. Als sie merkten, dass ich spanisch spreche, sagten sie, ich solle mich doch neben sie setzen. Aus dieser Situation wurden zwei unglaublich lustige, kurzweilige Flugstunden. Die beiden kamen aus Asturias und flogen das erste mal nach Israel. Sie hatten weder 50 Tassen Kaffee getrunken, noch waren sie besonders aufgeregt; sie schienen einfach immer so viel zu “cotorrear”en. Der Mann, der am Fenster sass, war ein bisschen wie ein kleiner Junge im Kostuem eines aelteren Herr mit schuetterem Haar, und als ich ihn bat, mir Auskunft ueber das zu geben, was draussen geschah, wurde ich wie in einem Liveticker ueber jede Wolke und jedes Lichtlein in der Dunkelheit informiert. Zwischendurch stellte er mir lustige Fragen ueber Israel – eindeutig wusste seine Freundin mehr ueber das Land bescheid. Er war eher interessiert an der Religion des Landes, und sie eher an der Geschichte. Ich gab ihnen hier und da Tipps und warnte sie auch vor der Grenzkontrolle und dass Ihnen Fragen gestellt werden – die beiden sprachen naemlich kein Englisch.

Leider musste ich sie am Informationsstand des Israelischen Flughafen stehen lassen, ohne dass Busse nach Jerusalem fuhren, weil mich meine Freundin Michal mit ihrem Freund Ohad abholten und bald los mussten. Michal ist mein Engel, denn um diese Zeit (ca. 1 Uhr nachts) fuhr nichts in die Staedte ausser den teuren Taxen.

Einen Tag vor Abflug hatte ich in Couchsurfing eine Nachricht an einen Menschen ohne Referenzen und ausgefuelltem Profil geschrieben, mehr durch Zufall und aus gutem Gefuehl heraus. Michal setzte mich also vor seiner Tuer ab, in der Rechov HaKishon in Florentin, Tel Aviv. Natuerlich musste ich vorsichtig sein, da ich die Person nicht kannte und niemand zuvor Erfahrungen mit ihm hatte, und so bot Michal mir an, mich in 15 Minuten nochmal anzurufen.

Wenige Minuten spaeter stellte sich heraus, dass jeder Zweifel unbegruendet war. Doriel und ich verstanden uns sofort prima und quatschen bis tief in die Nacht ueber Gott und die Welt. Ich wurde auch sofort mit Jack, seinem jungen verrueckten Kater bekannt gemacht. Draussen regnete es mittlerweile in Stroemen: ein eher ungewoehnliches Bild fuer Tel Aviv im November. Trotzdem war es nicht annaehernd so kalt wie in Athen. Als es Schlafenszeit wurde, liess sich Doriel nicht davon abbringen, mir sein Bett anzubieten waehrend er auf dem Sofa im Wohnzimmer schlafen wollte.

Am naechsten Morgen, nach einem Taesschen Nescafe gingen Doriel und ich raus nach Florentin, um etwas zu essen. Am Bankautomaten begegneten wir bereits drei seiner Freunde, die ich am Abend noch naeher kennenlernen wuerde. Ein anderer Freund von ihm, Benji, der in New York aufgewachsen war und nun in einem Internet-Startup Unternehmen arbeitete, kam noch hinzu. Wir entschieden uns, in einem kleinen Humus Restaurant zu essen. Dort traf ich auf Rafi, den ich vor ein paar Jahren in Tel Aviv kennenlernte, undmir damals anbot, mit ihm ein Hostel zu eroeffnen. Mittlerweile war sein Florentine Hostel zu einem der besten Backpacker Hostels in Tel Aviv geworden.

Nachem wir unsere Humus verschlungen hatten, zogen wir ein bisschen um die Haeuser und landeten schlussendlich wieder bei Doriel. Dort schauten wir Serien und gegen Abend wurde ich zu einem Dinner bei einigen seiner Freunde eingeladen. Doriel musste zur Arbeit, so ging ich mit Benji los, zu dem Appartment zwei Strassen weiter. Dort sassen ca. 6 israelische Jungs, und es gab “Chicken a la Adam”, dazu ein Glaesschen Arak und israelischen Wein. Da mein Hunger gross war und ich ausserdem die Gastfreundschaft nicht ausschlagen wollte, verputzte ich das Huehnchen trotz Vegetarierdaseins in einem fort. Danach wurde einfach gechillt… Jeder einzelne dieser Menschen war wahnsinnig nett und ich fuehlte mich sofort aufgenommen und wie zuhause. Spaeter spielte ich sogar ein bisschen Dub und World Musik aus dem Internet und bekam Lob vom Drum’n’Bass DJ des Hauses fuer die Musikauswahl.

Ein paar von den Leuten waren auch Teil einer Band, die die “Flying Penguines” hiessen. Die Saengerin Stella, eine wunderschoene Frau und Freundin von Adam, kam auch noch in die Runde. Hier eine Klangkostprobe: http://www.youtube.com/watch?v=db6-99shVKA

Spaeter in der Nacht liefen wir noch durch halb Tel Aviv zu einem Club, wo irgendein Berliner DJ auflegen sollte. Ich hatte aber ueberhaupt keine Lust darauf und so fanden wir uns zu viert zurueck in Doriels Appartment, nachdem wir eine Pizza im ueberfuellten Freitag Nacht Basilikum Pizzarestaurant gegessen hatten. Nun war ich erst knapp ueber 24 Stunden in Tel Aviv. Wer gut verfolgt hat wird verstehen, warum ich aber das Gefuehl hatte, bereits seit Wochen dort zu sein.

Am naechsten Tag war Doriel arbeiten und ich hatte ein wenig Zeit, den Blog zu ernaehren und ein paar essentielle Dinge einzukaufen wie Milch, Humus, Eier, Eistee und Pita. In den Strassen von Florentin wurde ich dann von heftigem Regen ueberrscht, was zu ein, zwei ganz schoenen Fotografien fuehrte. Ich nenne sie: Der Huegel des Fruehlings im Glanz des Regens.

Den Abend traf ich mich mit einem alten Freund, den ich bereits bei meiner ersten Reise nach Israel kennenlernte und damals mit ihm am Toten Meer war, denn auch er war, wie scheinbar mittlerweile jeder junge Tel Aviver, in Florentin zuhause und innerhalb von 2 Minuten Fussweg zu erreichen. Wie ich so etwas in Berlin vermisst habe!

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